Berlin: Gefährliches Ereignis

Straßenbahnbetriebe in Deutschland
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Manitou
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Berlin: Gefährliches Ereignis

Beitrag von Manitou » 06.01.2020 00:33

Am Sonntag, dem 05.01.gegen 18.00 h kam es zu einer Gegenfahrt auf der Bösebrücke (Bornholmer Str., ehem. Grenzübergang). Je ein Zug der Linien M13 und 50 standen sich in entgegengesetzter Fahrtrichtung in kurzem Abstand gegenüber. Ob wohl ein solches Ereignis zumindestens bei der Eisenbahn rechtlich einem Unfall gleich gestellt ist (Nach DV 423 der DR galt eine Zuggefährdung wie ein BBU II. Grades), gab es keine Meldung in den regionalen Fernsehnachrichten (Abendschau des RBB).
Wer kann estwas zu den ursachen und der rechtlichen Bewertung nach BO Strab sagen?

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M73
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Re: Berlin: Gefährliches Ereignis

Beitrag von M73 » 07.01.2020 16:40

So weit ich weiß, wird im Münchner Bereich allen Beteiligten (Fahrer, Stellwerker, evt. sonstiges Personal) sowohl bei Tram, als auch bei U-Bahn ein Fragebogen ausgehändigt, sofern der Vorfall irgendwo in den entsprechenden Kreisen publik wird.
Egal ob Beinahebegegnungen, (teil-)verpasste Bahnsteige und sonstige Vorfälle, die mit unter zu Schaden an Zug, Strecke und Personen führen hätten können...bzw. auch haben.
Es wird dann entsprechend ermittelt; in Einzelfällen ist es auch schon vorgekommen, daß Fahrpersonal durch den dazu gerufenen Verkehrsmeister an Ort uns Stelle in den Urlaub geschickt wurden (mutmaßlich wegen verdacht der Fahruntauglichkeit)
Vor einigen Jahren ging ein Fall durch die Presse, wo ein U-Bahn-Fahrer, weil er sich elend fühlte, sich mit ein paar Schnäpsen selbst "medikamentierte" - dieser Fahrer wurde nach ein paar Fahrfehlern, die auch dem Stellwerk nicht verborgen blieben, an der Endstation schon vom Verkehrsmeister erwartet und sofort aus dem Fahrdienst entlassen.

Recht Häufig sind Vorfälle an Größeren Weichenanlagen im Trambereich - dort kommt es immer wieder zu Vorfällen -zumeist nur mit einem ordentlichen Schreck für alle Beteiligten - In München werden die Weichen ja durch das Fahrpersonal gestellt; wenn dann ein Fahrer die Weiche z.B. auf Gerade stellt und dann aus Gedankenlosigkeit aufgrund des Fahrtsignals für Rechts los fährt, kommt es schon mal zu der einen oder anderen Schrecksekunde...

In den 80gern waren die Weichen noch nicht verriegelt, sondern die Zungen nur angelegt - da musste der Spitzbefahrende Zug auch warten, um eine eventuelle Flankenfahrt zu vermeiden..

In den 80gern waren aufgrund des überalterten Netzes viele Tram-Kurven mit Begegnungsverboten belegt; nicht selten wurde darauf nicht so geachtet und es kam zu Schäden an den Fahrzeugen - zumeist allerdings Geringfügige...

Frontalbegegnungen kommen in München mangels Gegenverkehr im Trambereich nicht vor.
Soweit mir bekannt, sind im Münchner U-Bahn-Netzt "lediglich" klassisches Bahnsteigvorfälle und Rangierschäden und zwei mal durch Unachtsamkeit an benachbarten Gleisbaustellen vorgefallen. O.K. Ein "Massives Einwirken auf eine Außentüre durch Fahrgast" endete auch mal Tödlich.

Die Öffentlichkeit bekommt im Regelfall garnix davon mit...

Könnte es sich bei dem Berliner "Vorfall" um eine Abschleppfahrt nach Fahrzeugschaden gehandelt haben? - da müsste ein Wagen auch längere Zeit Entgegen fahren - wenn ich mich nicht irre, müssen auch bei reinem Richtungsverkehr Rückwärtsfahren mit 3-Licht-Signal-A angezeigt werden...
In München ist es schon vorgekommen, daß ein folgender Linienwagen eine Schadtram bis zur nächsten Ausweiche geschoben hat, um in der HVZ die Einschränkung zu minimieren... Dazu gibt es auch ein Filmdokument - ich suche mal.....
Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch .
(Karl Valentin, Münchner Volksschauspieler und Humorist)

Manitou
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Re: Berlin: Gefährliches Ereignis

Beitrag von Manitou » 07.01.2020 23:46

Die beiden Züge waren als Linienzüge mit entgegengesetzten Fahrtzielen geschildert, hatten den Stromabnehmer oben und waren voll beleuchtet. Rückwärtsfahren auf der Strecke zum Abschleppen ist in Berlin unüblich, es wird bis zur nächsten Überholmöglichkeit (Wendeschleife mit Überholgleis) durch den Folgezug abgeschoben, wenn keine Notfahrt möglich ist. Bei Traktionen konnt meist der schadhafte führende Wagen im Steuerwagenmodus den schiebenden 2. Wagen noch ansteuern, so daß ein Schadzug durch den Fahrer allein von der Strecke gebracht werden. Seit einigen Jahren wird auch mit Unimog (Zweiwege) abgeschleppt
Da ein Verkehrsmeister noch nicht vor Ort war, spricht auch dieses gegen einen Abschleppversuch.

Tobias Walter
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Re: Berlin: Gefährliches Ereignis

Beitrag von Tobias Walter » 09.01.2020 01:01

In Leipzig stehen sich im Zuge der Linie 3 zwischen Großzschocher und ... (der nächsten Ausweiche in Richtung Knautkleeberg) "gerne" mal zwei Züge gegenüber.

Das scheint an der dortigen Signalanlage zu liegen. Derartiges in der Häufung ist mir von anderen eingleisigen Abschnitten nicht bekannt.
"Mit dem wissen von heute, sag ich dir nur eins: 'Scheiß' auf Regeln und lebe dein Leben."

Die Worte einer 93-jährige Patientin zu mir... :shock:

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