Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Diskussionen über straßenbahnähnliche Systeme wie O-Bus und GLT-Fahrzeuge
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Sithis
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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von Sithis » 16.05.2008 23:01

Nein. Der O-Busbetrieb in Eberswalde steht auf Kippe, weil man die Wagen in den nächsten Jahren ersetzen müßte. Warum eigentlich - es sind Niederflurwagen von MAN vom Anfang der 90er, also noch nicht so alt. Nun gut, ein O-Bus hält anscheinend ca. 20 Jahre. Wenn er eingestellt werden würde, dann hoffe ich wenigstens, daß diese sowieso relativ kleine Strecke für Museumszwecke erhalten bleibt - einige der historischen Busse sind eh schon aus Berlin.

Auf der anderen Seite wurde doch z.B. Esslingen(auch wenn es wieder im Westen ist) als umweltfreundliche Stadt ausgezeichnet, weil man dort einen O-Bus betreibt.

Erfurt betrieb sein Netz wohl mit ehemaligen Hamburgern(auch da gab es mal einen O-Bus), die ihres Oberdecks beraubt worden waren und in den 50er Jahren dort hinkamen.
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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von FTB » 17.05.2008 13:25

Es aren 2 Ausbaustufen für neu zu errichtende Obusbetriebe in der DDR festgelegt.
Die erste war (wie schon richtig geschrieben) Hoywoy, Suhl und Neubrandenburg, in der zweiten sollten Stendal (im Zusammenhang mit dem AKW), Stralsund und Wismar entstehen.
Über weitere Projekte gab es sicher Vorstellungen (Freital mal als Beispiel), das war dann aber alles noch zu unkonkret.
Gruß aus Halle-Neustadt
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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von joschie99 » 17.05.2008 21:41

T6A2mod hat geschrieben:Also zum Thema O-Busse in der ehemaligen DDR kann ich nur folgendes zu sagen:

Der O-Busbetrieb in Eberswalde soll nach Planungen der Politik eingestellt werden und durch den herkömmlichen Busbetrieb ersetzt werden, da die O-Busse bestimmte spuren halten müssen und diese von vielen Autofahrern in der heutigen Zeit gerne ignoriert werden.

Der O-Busbetrieb in Potsdam ist am 16. Januar 1995 eingestellt worden (22. Januar 1995 Abschiedsfahrt).

Der O-Busbetrieb in Erfurt ist in den 70er Jahren eingestellt worden.

In den 70er gab es Planungen ein O-Busbetrieb in Berlin-Köpenick aufzunehmen. Dabei sollte der O-Bus den Straßenbahnbetrieb dort übernehmen.

T6A2mod
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In Gera wurde der Obusbetrieb am 14. September 1977 eingestellt. In Leipzig und Dresden bereits 1975. In Magdeburg im Jahr zuvor!

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Sithis
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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von Sithis » 17.05.2008 22:21

Es wäre schon gut zu wissen, wann diese O-Bus-Betriebe entstanden und wie groß sie waren.

Oftmals sind auch O-Bus-Betriebe nach relativ kurzer Zeit eingestellt worden, da man die Schnapsidee hatte, den O-Bus als Straßenbahnersatz zu verwenden. Es macht einfach keinen Sinn, ein zweites elektrisches System in einer Stadt zu integrieren, wenn es weder Vorteile bringt noch eine größere Ausdehnung erreicht. Wenn dann ohnehin nur alte Wagen eingesetzt werden, ist klar, daß sich so ein Betrieb nicht lange halten kann.
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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von Manitou » 17.05.2008 23:56

Den Sinn zweier elektrischer Verkehrssysteme kann man z.B. in Brno, Bratislawa und verschiedenen Städten der GUS studieren. Der Obus befährt trotz Straßenbahn die Strecken, die sich für eine Straßenbahn nicht eignen (z.B. zu steile Straßen), wo ein ein Dieselbus mächtigt brummt und stinkt und das verkehrsaufkommen hoch ist.

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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von Sithis » 18.05.2008 00:12

Es gab aber sehr viele Fälle, wo das O-Busnetz nicht wirklich groß war und aus welchen Gründen auch immer als Straßenbahnersatz diente. Gebracht hat dies in der Regel nichts, außer daß auch irgendwann der O-Busbetrieb dichtgemacht wurde und durch Dieselbusse ersetzt worden ist. In Osteuropa ist die Verkehrsplanung anders als in Deutschland.
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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von koneggS » 18.05.2008 22:48

Es wäre schon gut zu wissen, wann diese O-Bus-Betriebe entstanden und wie groß sie waren.
Dresden: Exakt die heutige Buslinie 61 Löbtau-Weißig, Länge etwas über 20 km, 1949 eingeweiht.
Bild

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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von Sithis » 18.05.2008 23:39

Nun, da sieht man es ja. Eine einzige Linie bringt es einfach nicht.
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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von joschie99 » 19.05.2008 08:49

Sithis hat geschrieben:Nun, da sieht man es ja. Eine einzige Linie bringt es einfach nicht.

Na hätte man in Eberswalde unmittelbar nach der Wende. Als die Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz grßzügiger investiert und ausgebaut. Dann stände der Obus dort nicht bis 2015 zur Disposition.

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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von koneggS » 19.05.2008 12:19

In Dresden lag die Einstellung des O-Busses nicht an der einen Linie, sondern an den beschaffbaren Fahrzeugen. Die Buslinie 61 (60er Nummern sind in Dresden für O-Bus reserviert, Buslinien fangen erst bei 70 an. Damit ist die Buslinie 61 immer noch etwas Besonderes) verkehrt in der Verkehrsspitze auf Zwinglistraße-Löbtau etwa im 3-Minutentakt, durch den UNI-Verkehr bedingt. Und selbst dabei sind die Busse noch überfüllt. Damals waren aber keine O-Gelenkbusse beschaffbar, und die Solobusse mit ihren Anhängern waren nicht in der Lage, die steile Grundstraße hochzufahren, ohne extrem hohen Verschleiß zu haben. Da Dieselgelenkbusse beschaffbar waren, gab man den O-Bus auf.
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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von joschie99 » 19.05.2008 13:51

koneggS hat geschrieben:In Dresden lag die Einstellung des O-Busses nicht an der einen Linie, sondern an den beschaffbaren Fahrzeugen. Die Buslinie 61 (60er Nummern sind in Dresden für O-Bus reserviert, Buslinien fangen erst bei 70 an. Damit ist die Buslinie 61 immer noch etwas Besonderes) verkehrt in der Verkehrsspitze auf Zwinglistraße-Löbtau etwa im 3-Minutentakt, durch den UNI-Verkehr bedingt. Und selbst dabei sind die Busse noch überfüllt. Damals waren aber keine O-Gelenkbusse beschaffbar, und die Solobusse mit ihren Anhängern waren nicht in der Lage, die steile Grundstraße hochzufahren, ohne extrem hohen Verschleiß zu haben. Da Dieselgelenkbusse beschaffbar waren, gab man den O-Bus auf.
Beziehungsweise die Obus-Anhänger mussten bedingt durch die StVO 77 ab 01.01.1978 außer Betrieb gesetzt werden.

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Osteuropa und Russland

Beitrag von T6A5.3 » 21.05.2008 08:53

Hallo,

man kann die Situation besonders in Russland nur schwer einer bestimmten Richtung zuordnen, es scheint nach der Devise zwei Schritte vor und einer zurück geplant und gebaut zu werden.
Man kann aktuell sicher von einer Phase der Stabilität sprechen, was aber nicht darüber hinweg täuschen darf, daß manche Obus-Netz dort aus 2 km Draht und einem 9Tr bestehen (Ukraine) die sicherlich nicht so ewig weiterfahren. Dagegen gibt es aber auch Netze die eine wirkliche Funktion haben - und zwar auch straßenbahnergänzend. In Omsk (Westsibirien) verkehrt im Stadtzentrum die Straßenbahn links und rechts der großen Magistrale, der Obus verkehrt auf der Magistrale. Beide Verkehrsmittel haben ihr Auskommen, zumal der Obus auch noch die großen Wohngebiete jenseits des Irtytsch` erschließt. Durch die Metro dürfte das aber auch bald Vergangenheit sein... In Moskau hat der Obus in der Innenstadt ganz wesentlich alte Straßenbahnstrecken übernommen (innerhalb des Gartenrings) , das aber auch nur weil ein alter Bonze Obus-Freak war... Heute steht der Obus hier wie die Straßenbahn im Stau ist aber in den Außenbezirken immer noch DAS Verkehrsmittel. Zurzeit schafft man einige neue, gut brennbare, Niederflur-Obusse an, der letzte IK280T ist leider im März vom Netz gegangen.

Im uns näheren "Osteuropa" (also PL, CZ, SK, HU...) tut sich in Sachen Obus ja nur wenig. In Tschechien wird hier und da mal eine neue Schleife eröffnet (meist als PPP zu einem Supermarkt), neue Fahrzeuge werden sukzessive eingesetzt und die Netzinfrastruktur verbessert. Trotzdem muss man sich natürlich fragen ob es für eine Stadt wie Marienbad gleich ein ganzer Obusbetrieb sein muss...
In der Slowakei gehts bergauf und bergab. Bergauf gehts mit Bratislava, wo eine neue Obusstrecke eingeweiht wurde, die keine Verbindung zum Restnetz hat, bergauf gehts auch wieder in Banska Bystrica, nachdem der Obus hier aufgrund eines Betreiberwechsels zunächst eingestellt wurde und seit Ende 2007 wieder in Betrieb ist (übrigens könnte genau das Eberswalde passieren: http://www.obus-ew.de ). Schlecht siehts dagegen für Kosice aus, man wird sich eine fällige Erneuerung des Wagenparks sicher zweimal überlegen...

Naja, und in Deutschland ist die Zeit der Obusse leider vorbei... am ehesten wird sich Solingen halten, ansonsten siehts mau aus...


Martin

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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von Manitou » 09.01.2009 00:36

Waren für Hoyerswerda bereits Fahrzeuge bestellt? Wenn ja, wurde die Bestellung storniert oder bekamen andere Betriebe die Fahrzeuge?
Die STVO-Änderung ab 1978 erfolgte offensichtlich, weil der Beiwagenbetrieb sowieso vor dem Aus stand. Ggf. hätten einzelne Betriebe Ausnahmeregelungen erhalten (die gab es doch auch für alte Straßenbahnwagen ohne Türschließer). Busanhänger für die "Straßen-Dampfbahnen" als Stadtrundfahrt usw. werden doch auch zugelassen.
Wie lange fuhr übrigens der Kulturpark-Bus in Berlin (Bus-Züge mit 2 Anhängern) von S-Bahnhof Plänterwald zum Kulturpark? Wo stammten diese her? Was wurde aus den Fahrzeugen?

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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von joschie99 » 09.01.2009 06:50

Manitou hat geschrieben:Waren für Hoyerswerda bereits Fahrzeuge bestellt? Wenn ja, wurde die Bestellung storniert oder bekamen andere Betriebe die Fahrzeuge?

Meines Erachtens nach kamen die 4 Stück Obusse Ikarus 280-T aus Hoyerswerda 1994 nach Potsdam-Babelsberg. Und wurden nach der dortigen Einstellung 1995 nach Ungarn oder Tschechien weiterverkauft. (welche Stadt?) :?

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Re: Geplante Obus-Betriebe in der ehem. DDR

Beitrag von paul71 » 09.01.2009 07:27

Potsdam bekamm keine Ikarus 280-T aus Hoyerswerda.
Bis zur Einstellung des Betriebes wurde mit den den verbliebenen 14TR und den beiden Mercedes-DUO-Obusen gefahren.
MfG

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