? Tatras für Würzburg

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Sithis
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von Sithis » 02.09.2008 10:22

Selbst wenn man Devisen dafür bekommen hätte...CKD hätte wohl kaum irgendwelche Wundertrams aus dem Ärmel zaubern können.

LHB war bekannt und hatte schon einige Trams geliefert, da wollte man sich doch auf kein Pokerspiel einlassen.
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Blnstrabi
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von Blnstrabi » 02.09.2008 16:53

Na das glaube ich wohl nicht...

Man hat ja selbst für Budapest extra einen neuen Wagentyp entwickelt. Sogar mit der vom Käufer gewünschten Steuerung.
Also mach mal Tatra nicht schlechter als notwendig. Deine persönliche Abneigung hat damit nix zu tun.
Also laß bitte die Kirche im Dorf. Sicher wissen wir alle nicht, was wäre wenn. Aber fakt ist, daß die Tatras gar nicht so schlecht waren, wie manchmal behauptet wird.

Ich kann da mehrere Erlebnisse aufzählen, wo westdeutsche Kollegen bei uns in Berlin damals noch Original-KT4D fahren durften und allesamt ziemlich begeistert waren. Der Arbeitsplatz ist jedenfalls nen ziemlicher Unterschied zu den westdeutschen Fabrikaten gewesen.
Sicher ist der Arbeitsplatz nicht alles, was so einen Wagen ausmacht, aber es sollte nur ein Beispiel sein.

Und nicht, daß hier der Eindruck entsteht, ich würde diese Wagen in den Himmel heben, sie haben ihre Nachteile und in einigen technischen Details nicht auf dem aktuellen Stand. Aber das heißt nicht, daß alles prinzipiell schlecht war.

Gruß Blnstrabi

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Sithis
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von Sithis » 02.09.2008 21:32

Man hat ja selbst für Budapest extra einen neuen Wagentyp entwickelt. Sogar mit der vom Käufer gewünschten Steuerung.
Was hat uns das gebracht? Gar nichts. Der T5C5 ist nichts weiter als ein Großraumwagen.
Also mach mal Tatra nicht schlechter als notwendig. Deine persönliche Abneigung hat damit nix zu tun.
Also laß bitte die Kirche im Dorf. Sicher wissen wir alle nicht, was wäre wenn. Aber fakt ist, daß die Tatras gar nicht so schlecht waren, wie manchmal behauptet wird.
Das hat nichts mit Abneigung zu tun(ich habe auch prinzipiell nichts gegen Tatras), nur finde ich dieses Fanboy-Gerede übertrieben.
Von wegen "war doch gar nicht so schlecht" oder gar "konnte mit Westprodukten mithalten".
Das ist Unsinn. CKD Prag war jahrelang nicht in der Lage, eine anständige Tür zu entwickeln, geschweige denn von leiseren Motoren oder Schalldämmung.
Ich kenne die Tatras noch im Zustand von Anfang der 90er, und der war einfach mal schlecht. Defekte Lautsprecher, Türoffner usw. habe ich da erlebt.
Ich kann da mehrere Erlebnisse aufzählen, wo westdeutsche Kollegen bei uns in Berlin damals noch Original-KT4D fahren durften und allesamt ziemlich begeistert waren. Der Arbeitsplatz ist jedenfalls nen ziemlicher Unterschied zu den westdeutschen Fabrikaten gewesen.
Sicher ist der Arbeitsplatz nicht alles, was so einen Wagen ausmacht, aber es sollte nur ein Beispiel sein.
Und was für Unterschiede sollen das gewesen sein? Ist ja nicht so, daß die "Westbahnen" Folterkammern als Kabinen haben.

Und aus Fahrgastsicht sind die Tatras klar unterlegen. Ganz objektiv betrachtet.

Insofern wäre die WSB schön bescheuert gewesen, sich solch eine - man kann es nicht anders nennen - Notlösung ins Haus zu holen. Vemutlich wollte man damit nur drohen.
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koneggS
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von koneggS » 02.09.2008 22:51

Na da will ich auch mal meinen Senf dazugeben :-)
Was hat uns das gebracht? Gar nichts. Der T5C5 ist nichts weiter als ein Großraumwagen.
Ja, ist er, aber das hat ja nichts mit der Tatsache zu tun, dass er extra für Budapest aufgelegt wurde. Gelenkwagen gibt es auch seit der letzten Jahrhundertwende, trotzdem sagt man bei der SuperDuperNiederlubahn ja auch nicht "Is doch auch nurn Gelenkwagen". Das Fahrzeugkomzept hat ja nichts mit dem Entwickelten zu tun.
CKD Prag war jahrelang nicht in der Lage, eine anständige Tür zu entwickeln
Ok, das stimmt....
geschweige denn von leiseren Motoren oder Schalldämmung.
Schalldämmung fehlte nur aus Kostengründen bei DDR-Tatras, also nicht wirklich auf den Hersteller zurückzuführen.
Ich kenne die Tatras noch im Zustand von Anfang der 90er, und der war einfach mal schlecht. Defekte Lautsprecher, Türoffner usw. habe ich da erlebt.
Die Teile werden wohl kaum defekt eingebaut worden sein, die wären bei jedem Fahrzeugtyp defekt gewesen, denn jedes Fahrzeug möchte umfangreich gewartet werden, was zu DDR-Zeiten nicht gegeben war....
Und was für Unterschiede sollen das gewesen sein? Ist ja nicht so, daß die "Westbahnen" Folterkammern als Kabinen haben.
Aber auf den klassischen DUEWAG bezogen: Wesentlich enger, empfindlicher vor allem in der kalten Jahreszeit bei Fahrgastwechsel (Tür auf: Die kalte Luft zieht sofort zum Fahrer, beim Tatra nicht so)
Und aus Fahrgastsicht sind die Tatras klar unterlegen.
Ist natürlich die Frage, worauf du das beziehst...Polstersitze waren auch bei Westtrams nciht Standard, aber bei CKD ebenfalls lieferbar (Siehe KT8D5), aber wesentliche Komforteinbußen sehe ich da nirgendwo zwangsläufig.

Genauso sehe ich von technischer Seite nicht wirklich Rückschritte, es kommt halt auf das Fahrzeug an, mit dem man den Tatra vergleicht. Die Hasenkäfige waren damals sicherlich revolutionär und ein Niederflureinstieg wäre sicherlich nicht bei CKD zu vernünftigen Preisen machbar gewesen. Allerdings war Niederflur in dieser Zeit keinesfalls Standard in der BRD, siehe N-Wagen, die damals ja auf der Höhe der Zeit waren.
Von technischer Seite wüsste ich bei einem Tatra mit TV3 auch keine wirklich relevanten Rückschritte, dass er aus der technischen Steinzeit wäre, auch der Drehstromantrieb war nicht wirklich verbreitet. Von technischer Seite würde mich konkret interessieren, was da jetzt so rückständig gewesen sein soll.
Eine Endmontage der Tatras in der BRD hätte ich mir auch vorstellen können, wie bei den USA-Ikarussen, praktisch der Innenraum komplett auf West-Standard, DUEWAG-,Kieckert oder WasWeißIch-Türen, vielleicht sogar ne MEGI. Man kann das vielleicht mit der aktuellen Einfuhr der Solarisbusse bezeichnen. Billiger, aber trotzdem viele Teile aus Deutschland verbaut.

Insofern wäre die WSB schön bescheuert gewesen, sich solch eine - man kann es nicht anders nennen - Notlösung ins Haus zu holen. Vemutlich wollte man damit nur drohen.
Zumindest hat man für damalige Zeiten wirklich abgesahnt. Wenn da von politischer Ebene ein LMAA gekommen wäre, hätte man dann ja notgedrungen auf Tatras ausweichen müssen....
Na dann zerfetzt mich mal :D

€dit: man könnte ja vielleicht noch erwähnen, dass das hier eine komplette hätte-Diskussion ist, also ohne wirklich realistischen Wert und und rein spekulativ...
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Incentro
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von Incentro » 02.09.2008 23:04

Auch bei den Tatras wurde das gebaut was bestellt wurde. So gab es auf Wunsch der DDR die Hartschalensitze statt der gepolsterten Kunstlederimitat-Sitze wie sie im KT4D-Prototypen und den tschechischen KT8 Verwendung fanden und auch auf Stoßdämpfer wurde nur auf Kundenwunsch verzichtet. Die SU war nicht weniger Schuld an der Fortschrittsbehinderung, war man dort doch nicht bereit gewesen für einen T3-Nachfolger (T6B5) mehr zu bezahlen, womit man gezwungen war den veralteten T3 weiterzubauen.

Das gleiche gab es bei den Ikarus-Bussen: Bis zum Schluss kaufte die DDR nur die Fahrzeuge mit Schaltgetriebe statt Automatik und den Falttüren (Ausnahme die Ik280 Obusse für Hoyerwerda hatten die neueren Türen). Nur weil die DDR chronisch Pleite war und gespart hat wo es nur ging, waren nicht die Hersteller die Verursacher schlechter Produkte. Das lässt sich genauso auf den Automobilbau in der DDR (und bei entsprechender Detailkenntnis sicher auch auf X andere Bereiche) übertragen. Man war durchaus gewillt bessere Produkte zu entwickeln und herzustellen, wurde jedoch "von oben" ausgebremst. So wurde das natürlich nichts mit dem "überholen ohne einzuholen" :roll:

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Sithis
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von Sithis » 02.09.2008 23:45

Ja, ist er, aber das hat ja nichts mit der Tatsache zu tun, dass er extra für Budapest aufgelegt wurde. Gelenkwagen gibt es auch seit der letzten Jahrhundertwende, trotzdem sagt man bei der SuperDuperNiederlubahn ja auch nicht "Is doch auch nurn Gelenkwagen". Das Fahrzeugkomzept hat ja nichts mit dem Entwickelten zu tun.
Es geht mir vor allem darum, daß Großraumwagen schon damals unzeitgemäß waren und Nachteile hatten. Du sagst doch selber, daß dir z.B durchgängige Wagen bei der S-Bahn und U-Bahn lieber sind.
Wenn man mit dem Entwicklungszeitpunkt argumentiert, die Schiene ist schon mehrere 100 Jahre alt...
Schalldämmung fehlte nur aus Kostengründen bei DDR-Tatras, also nicht wirklich auf den Hersteller zurückzuführen.
Die Tatras sind auch in anderen Ländern relativ laut. Das hat nicht nur was mit der DDR zu tun.
Die Teile werden wohl kaum defekt eingebaut worden sein, die wären bei jedem Fahrzeugtyp defekt gewesen, denn jedes Fahrzeug möchte umfangreich gewartet werden, was zu DDR-Zeiten nicht gegeben war....
Klar, aber vergleiche doch mal schlecht gewartete DÜWAGs damit. In Stettin sind die immer noch recht brauchbar, auch wenn sie teilweise 52 Jahre alt sind.
Die KT4D fallen in manchen Betrieben trotz Modernisierung und Wartung schon halb auseinander. Siehe etwa Potsdam.
Und wenn solche Teile so rasch kaputtgehen, kann es mit der Qualität ja nicht so weit her sein.
Aber auf den klassischen DUEWAG bezogen: Wesentlich enger, empfindlicher vor allem in der kalten Jahreszeit bei Fahrgastwechsel (Tür auf: Die kalte Luft zieht sofort zum Fahrer, beim Tatra nicht so)
Ok, dieser "Mißstand" wurde aber bei Modernisierungen behoben und ist mit M/N-Wagen ohnehin Geschichte.
Ist natürlich die Frage, worauf du das beziehst...Polstersitze waren auch bei Westtrams nciht Standard, aber bei CKD ebenfalls lieferbar (Siehe KT8D5), aber wesentliche Komforteinbußen sehe ich da nirgendwo zwangsläufig.
Die Holzsitze in alten DÜWAGs sind wesentlich bequemer als die Plasteteile. Es geht um Federung, Lautstärke, die Türen(und Einstiege), Innenraumanmutung und -gestaltung.
Genauso sehe ich von technischer Seite nicht wirklich Rückschritte, es kommt halt auf das Fahrzeug an, mit dem man den Tatra vergleicht. Die Hasenkäfige waren damals sicherlich revolutionär und ein Niederflureinstieg wäre sicherlich nicht bei CKD zu vernünftigen Preisen machbar gewesen. Allerdings war Niederflur in dieser Zeit keinesfalls Standard in der BRD, siehe N-Wagen, die damals ja auf der Höhe der Zeit waren.
Von technischer Seite wüsste ich bei einem Tatra mit TV3 auch keine wirklich relevanten Rückschritte, dass er aus der technischen Steinzeit wäre, auch der Drehstromantrieb war nicht wirklich verbreitet. Von technischer Seite würde mich konkret interessieren, was da jetzt so rückständig gewesen sein soll.
Eine Endmontage der Tatras in der BRD hätte ich mir auch vorstellen können, wie bei den USA-Ikarussen, praktisch der Innenraum komplett auf West-Standard, DUEWAG-,Kieckert oder WasWeißIch-Türen, vielleicht sogar ne MEGI. Man kann das vielleicht mit der aktuellen Einfuhr der Solarisbusse bezeichnen. Billiger, aber trotzdem viele Teile aus Deutschland verbaut.
Irgendwelche TV-Steuerungen waren nicht so weit verbreitet, deren Zuverlässigkeit fragwürdig. Geschweige denn Ersatzteilversorgung. Die meisten Tatras sind Beschleuniger.
DÜWAG-Falttüren erfordern AFAIK einen Eingriff in den Wagenkasten, damit sie mit der Trittstufe funktionieren. Natürlich hätte man ja auch die Klingel einführen können *g* . Die gab es meines Wissens nach sogar in den Würzburger Schüttelrutschen, zumindest haben diese wohl eine optisch-akustische Türschließwarnanlage gehabt.

Zu den US-Ikarussen hatte ich ja schon mal geschrieben, daß sie dort den Spitznamen "Ikarust" erhielten...sagt ja alles.
Zumindest hat man für damalige Zeiten wirklich abgesahnt. Wenn da von politischer Ebene ein LMAA gekommen wäre, hätte man dann ja notgedrungen auf Tatras ausweichen müssen....
Oder gebrauchte GTx übernommen...
Auch bei den Tatras wurde das gebaut was bestellt wurde. So gab es auf Wunsch der DDR die Hartschalensitze statt der gepolsterten Kunstlederimitat-Sitze wie sie im KT4D-Prototypen und den tschechischen KT8 Verwendung fanden und auch auf Stoßdämpfer wurde nur auf Kundenwunsch verzichtet. Die SU war nicht weniger Schuld an der Fortschrittsbehinderung, war man dort doch nicht bereit gewesen für einen T3-Nachfolger (T6B5) mehr zu bezahlen, womit man gezwungen war den veralteten T3 weiterzubauen.
Ja, aber wo hatte CKD sich denn groß als so innovativ bewiesen? Die paar Prototypen waren ja nun auch nicht so das Wahre.

Und zum Ikarus: Der mag zwar aus Fansicht toll sein, hat jedoch einen sehr hohen Einstieg(im Vergleich etwa zum MB0305) und wenig Sitzplätze. Die Automatik wäre nur dem Fahrer eine Erleichterung gewesen und Innendrehtüren wären allenfalls optisch moderner gewesen.
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von fahrmidda13 » 03.09.2008 04:44

Supi, das Thema "Tatrabahn gegen den Rest der Welt" hatten wir ja schon lange nicht mehr :D !

In die altbekannte Diskussion, ob und warum der Tatra nun veraltet, zweitgemäß oder avantgarde war, will ich mich diesmal nicht einmischen, das führt im Endeffekt ja doch wieder zu nichts.

Fakt ist dagegen nach wie vor, daß es politisch nicht vertretbar war, den damals dringend erneuerungsbedürftigen Würzburger Wagenpark mit Tatras zu bestücken, auch wenn sich CKD sicherlich alle Mühe gegeben hätte, einer entsprechenden Bestellung nachzukommen.
Der Umstand, daß Würzburg als erste deutsche Stadt auf der Straßenbahn ein Niederflurangebot unterbreiten konnte, war letztendlich existenzsichernd für die dortige Straßenbahn, die zuvor auch und gerade in Würzburg bei manch einem im Geiste schon zu einem Stück Geschichte geworden war. Deshalb wären auch gebrauchte GT6 oder GT8 keine Alternative gewesen; solche gab es in WÜ schon und eben diese sollten ja mittelfristig ersetzt werden (was allerdings bis heute nicht vollständig abgeschlossen ist).

Zum Fahrerplatz Tatra <> Düwag:
Geschlossene Fahrerkabinen gab es im Düwag auch, z.B. in Köln. Um sich einen objektiven Eindruck vom Bedienkomfort eines GT6 gegenüber eines KT4D zu machen, genügt es, in beiden Führerständen mal probezusitzen . Danach wird jeder feststellen (müssen), daß der KT4D eindeutig die Nase vorn hat. Vom T4D kann ich dagegen aus eigener Erfahrung sagen, daß zumindest das originale Fahrpult ebenso wie die Pedalerie aus ergonomischer Sicht defizitär ist.

Fahrgastkomfort:
Die Düwag-Holzsitze finde ich in der Tat auch bequemer als die Plastikschalen im Tatra. Im jeweiligen Originalzustand von "Ambiente" zu sprechen, ist aber wohl in beden Fällen leicht vermessen :wink: .
Das Geräuschniveau richtet sich beim Tatra stark danach, in welchem Typ man reist, so ist ein KT4 nach meinen Eindrücken deutlich leiser als ein T4. Schalgedämmte Tatras sind tatsächlich weniger laut - aber eben auch nicht wirklich leise. Letzteres kann ich von den GT6 und GT8 allerdings auch nicht behaupten.

Technischer Entwicklungsstand:
Ein Schaltwerk durch etwas Moderners zu ersetzen, ist eine "Kunst", die man selbst bei CKD beherrschte, was einfach darin begründet liegt, daß es keine rückständigere Steuerungstechnik gibt. Dennoch wäre es mehr als nur unwahrscheinlich gewesen, daß man sich in der BRD auf die gänzlich unbekannte TV3-Steurung gestürzt hätte - wenn man doch vertraute und bewährte Choppersteuerungen von AEG, Kiepe usw. bekommen konnte.

Endmontage der Tatras in Westdeutschland:
Eigentlich ein ganz interessanter Gedanke. Trotzdem glaube ich, daß die komplette Einstellung der Würzburger Straßenbahn wahrscheinlicher gewesen wäre. Die WSB hätte sich im Alleingang darum kümmern müssen - LHB gab es dagegen schon.
Bild

Zwei Fuzzies stehen auf einer Signalbrücke.
"Weißt du", sagt der eine, "wenn ich hier oben stehe und den Zug knipse, fällt irgendwie alles von mir ab."
"Schön" sagt der andere. "Hauptsache, es fällt mir nicht in die Fotolinie."

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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von Sithis » 03.09.2008 21:27

(ich verzichte jetzt mal wegen Abstinenz einer Maus aufs Zitieren)

Zum Vergleich der Fahrzeuge unter den genannten Aspekten:

Man sollte auch bedenken, daß es nicht den GT6 oder GT8 gab.
In vielen Städten wurden ja auch Komponenten verschiedener Hersteller verbaut, u.A. Kiepe, Siemens, SGP(in Österreich) usw.

Dies macht auch etwas aus, was die Lautstärke angeht. Während die SGP-GT6 recht laut heulen, höre ich von denen aus Braunschweig (LHB) kaum etwas.

Jedenfalls sind - bis auf die SGP-Wagen - alle GTx aber leiser als die Tatras. Alle kommen ohne Lüftergeheule und Geknalle aus.

Natürlich gibt es auch nicht den Tatra. Jedoch sind T4D und KT4D jeweils untereinander absolut gleich, sieht man mal von den Modernisierungen und den Thyristor-KT4D ab.

Und vergleicht man mal, wie GTx und Tatras modernisiert wurden, kann man schon daraus schließen, daß die Qualität vieler CKD-Bauteile einfach mal mies sein muß. Bei den GTx wurde recht wenig modernisiert(warum auch?), während man bei den KT4D oftmals fast alles erneuert hat.

Und den Innenraum eines originalen GT6 mit den alten Sitzen und Lampen finde ich schon recht gemütlich. Beim Tatra komme ich mir hingegen oft vor wie in einem Arztwartezimmer zu DDR-Zeiten.
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von fahrmidda13 » 04.09.2008 01:10

Batürlich lassen sich weder GT6/GT8 noch Tatras allesamt über einen Kamm scheren.
Jedenfalls sind - bis auf die SGP-Wagen - alle GTx aber leiser als die Tatras. Alle kommen ohne Lüftergeheule und Geknalle aus.
Das ist schon richtig, die Lüfter sind im Düwag akustisch dezenter, knallen tut er technisch bedingt auch nicht.
Allerdings hatte ich vor einigen Wochen mal wieder Gelegenheit, auf der SRS den direkten Vergleich zu erleben. Auch wenn hier das Alter der Wagen zu berücksichtigen ist, war ich doch vom Gerumpel und Geknarre, das die Fahrt im GT6 begleitet, selbst überrascht, im Vergleich dazu herrschte auf der Rückfahrt im KT4D sakrale Ruhe.
Jedoch sind T4D und KT4D jeweils untereinander absolut gleich, sieht man mal von den Modernisierungen und den Thyristor-KT4D ab.
Das halte ich für ein Gerücht, selbst im unmodernisierten Zustand trennen sowohl von den Laufeigenschaften und dem Geräuschniveau wie auch von der angesprochenen Ergonomie für den Fahrer her gesehen den T4D und den KT4D Welten, so jedenfalls mein Eindruck.
Und den Innenraum eines originalen GT6 mit den alten Sitzen und Lampen finde ich schon recht gemütlich. Beim Tatra komme ich mir hingegen oft vor wie in einem Arztwartezimmer zu DDR-Zeiten.
Aus heutiger Sicht wirkt der holzige Innenraum des Düwag recht urig. Bedenkt man aber die Zeit, zu der diese Fahrzeuge modern waren, also v.a. die 60er und 70er Jahre, entsprach dieser alles andere als einer modernen Anmutung.

Und um nochmal aufs Thema zu kommen:
Tatras in Würzburg waren zwar eine ganz lustige Idee, die sich aber kaum hätte praktisch umsetzen lassen.
Bild

Zwei Fuzzies stehen auf einer Signalbrücke.
"Weißt du", sagt der eine, "wenn ich hier oben stehe und den Zug knipse, fällt irgendwie alles von mir ab."
"Schön" sagt der andere. "Hauptsache, es fällt mir nicht in die Fotolinie."

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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von Sithis » 04.09.2008 21:37

@SRS:

Nun ja, es stimmt schon, daß die inzwischen ordentlich klappern. Aber hey, es sind alte Wagen, die schnell fahren. Und "sakrale Ruhe" im KT4D ist dann auch wieder etwas übertrieben. Die Gt6 klappern halt schon, von den Motoren hört man aber kaum etwas.
Vielleicht ist mir das aber auch gar nicht so negativ aufgefallen, da ich die Fahrt mit den GT6 immer regelrecht genieße :D . Die KT4D sind hingegen irgendwo langweilig.

@T4/KT4:

Ich meinte damit ja auch, daß etwa die T4D in den vier Städten, wo es sie gibt ursprünglich baugleich waren (abgesehen von den Spurweiten). Ebenso die KT4D. Unterschiede waren da meistens eher minimal (Übersetzung z.B.) und hatten nichts mit dem Hersteller zu tun.
Bei den DÜWAGs sehe ich da mehr Unterschiede.
So haben etwa die Krefelder GT8 keine Tür im Mittelteil, die Düsseldorfer dagegen schon. Und letztere sind auch etwas leiser.
Und wie der geneigte SM-Leser ja auch gesehen hat :P , wurden die GTx oft angepaßt und lokale Hersteller haben mitgewirkt.

@DÜWAG-Innenraum:

War heute in Düsseldorf. Dort gibt es zwar keine Holzsitze, aber die GT8 dort nenne ich dennoch sehr urig. Kein Raumflair? Fand ich schon, daß dies etwas hatte. Grüne Kunstledersitze, Holzimitat, dazu beige lackiert - einfach traumhaft, die GT8 dort. Es war wirklich eine Freude, dort mitzufahren. Kunstleder hatte ich zuletzt in den Berliner Rekos erlebt. :D Also wer so richtig geile alte DÜWAGs erleben will - ab an die Düssel. Im benachbarten Krefeld gibt es auch noch welche, die sind aber schon recht klapprig.

@Würzburg:

Selbst wenn es was geworden wäre...die hätten dann sicher eine Übersetzung wie in Plauen erhalten, denn Würzburg hat ordentliche Steigungen. Daher haben die Wagen dort auch Allradantrieb und sind recht bequem.
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#298
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von #298 » 22.10.2008 23:25

ichhab mal das Taschenbuch Straßen und Stadtbahnfahrzeuge (Geramond) gewältzt, da ist mit ins Auge gesprungen das Würzburg sich für die KT8D5 interessierte, glaube in Straußberg fahren die wohl einzigen Tatras dieser Art in Deutschland

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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von Sithis » 22.10.2008 23:47

Glauben kannst du in der Kirche, es ist aber tatsächlich so :mrgreen: . Ist ja auch logisch, es gibt kaum Betriebe, die für 2,50m breite Wagen geeignet sind und Zweirichter benötigen, die zu Zeiten des KT8D5 ihren Wagenpark hätten erneuern müssen...
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Ronny Quaß
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von Ronny Quaß » 22.03.2016 14:10

Mahlzeit,

hier Links von Zeitungsschnipseln zum Thema:
http://www.abload.de/img/lastscancy86.jpg
(Bild 1 ist Görlitz)
http://www.abload.de/img/lastscan23a51.jpg

Man hob sogar die Möglichkeit der Zugbildung hervor. Es gab somit in Würzburg kein Dogma von unbedingt durchgängiger Wagen.
Es ist davon auszugehen, daß CKD die Wagen hätte noch verfeinert, gegenüber der in die DDR gelieferten Wagen. Man spreche mal mit alten Mitarbeitern von CKD. Das Thema Würzburg hatte damals die allerhöchste Priorität.
Wie ich inzwischen erfahren konnte, wäre ein Achtachser in Meterspur auf Grundbasis des KT8, dann auf 2,2 Breite aus dem "CKD Baukasten" heraus auch möglich gewesen. Da war noch mehr auf dem Reißbrett und kurz vor dem Prototypenbau!
Vielleicht gibt es ja irgendwann in Würzburg nochmal ein großes Straßenbahnjubiläum. Da kann dann als Gastfahrzeug ein KT4D kommen...

Gruß in die Runde

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Baertram
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Re: ? Tatras für Würzburg

Beitrag von Baertram » 22.03.2016 16:03

Ronny Quaß hat geschrieben: Vielleicht gibt es ja irgendwann in Würzburg nochmal ein großes Straßenbahnjubiläum. Da kann dann als Gastfahrzeug ein KT4D kommen...
Ganz so lange brauchen wir da nicht zu warten: Am 5. September 1992 war die 100-Jahr-Feier. Plus 25 Jahre = 2017.
Viele Grüße aus Darmstadt - Jörg "Baertram" D.
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