Hecht + LOWA

Diskussionen über die LOWA-, Gotha- und Reko-Fahrzeuge
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Möckern-Peter
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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Möckern-Peter » 06.09.2010 21:17

Danke für die Klärung KSW. Schade trotzdem, dass nicht einer übrigblieb.

Die MAN-GR ist eine gute Leistung, etwas weniger umfangreich als hier, denn beim Typ22 entstand der Wagenkasten aus ausschließlich Stahlprofilen, völlig neu aus dem Nichts: Nur der Bodenrahmen gab Realität vor, alles andere existierte erst mal nur als Zeichnung. Heißt, die Altbaukästen wurden nach der Dachabnahme völlig abgewarackt. (Ob auch in Lützschena mittels Feuer wie "komplette" Schrottwagen, weiß ich nicht. ) Erstling SOLL die 1419 gewesen sein. Sie hatte bis zu einem sehr baldigen Unfall denselben breiten Obergurt wie die 1431 und 1432. Ich war da gerade 5... Aber ich habe noch ganz wenige Stahlwg. der 2.Serie (gummigerahmte Filmkästen, 1968/69) noch als b-Wg. erlebt. Gerade 6 dieser letzten erwischte es ja 1972 in Möckern (1452/55/56/60/62/66), die sonst gewiss 22S geworden wären (beim Brand gab es ja schon die ersten 3 1463 - 1465).

Na ja Kleine Hechte, keiner überstanden... Es hat tüchtige Lücken hineingerissen, aber es gab sie noch. Ursache könnte gewesen sein, dass diese vielleicht bevorzugt im Bf.Waltherstr. standen? Immerhin ist 22 Uhr ja bereits etliches eingerückt. Große waren prozentual weniger betroffen. Zumal in DDR-Zeit sogar welche nachgebaut wurden.

Ja, Leipzig hatte 1936 eine Einwohnerzahl von 713.000, eine Zahl, die nie wieder erreicht wurde. Wo die alle gewohnt haben, ist mir ein Rätsel... Vergessen werden dürfen aber auch nicht die Vertriebenen (DDR-Deutsch: Neubürger), die oftmals irgendwo ausgeladen wurden, meist in Städten und zu Zeiten, als die Städte noch mehr Leute gar nicht gebrauchen konnten. Dass es genug "Beförderungsfälle" gab, zeigen doch die Fotos mit Trittbrett- und Rammbohlen-Fahrgästen! Von weniger Fahrt- und Wagen-Bedarf nach 1945 kann keine Rede sein. Zumal die Bahn recht schnell wieder fuhr, und sei es durch freigeräumte Schneisen ehemaliger Straßen mitten durch Schutthalden, wo sich Haltestellen mangels Bebauung nicht lohnten.

Deshalb hätte ich logisch empfunden, nach dem exemplarischen Schicksal Dresdens, stärker als alle anderen betroffen zu sein, dass man eine ganz zeitige - und größere - Serie ausschließlich dorthin zugewiesen hätte. (Z.B. die gesamte Jahresproduktion von 1952 von - fiktiv - 100 3er-Zügen o.ä.) Aber nein: auch bei der Zuteilung Dresdens wurde nur im 10/12/15-Wagen-Bereich "gekleckert" und man gab lieber 1 nach Stassfurt, 2 nach Naumburg... Normal hätte Dresden Vorrang vor Berlin haben müssen. Aber auch die durften sich bis zur "Rekonstruktion" ihrer alten "besinnen", wenn man die bescheidenen Reihen von LOWA-nurBw. und 10 ET57-Züge mal negiert. Im logischen Schluss kann das nur heißen, dass Dresden über einen solchen Fuhrpark verfügt haben muss, der - mit freilich auch überfüllten Zügen - immerhin Ende 1945 und die ganzen nächsten JahrE den Bedarf relativ gedeckt haben muss. Dass es von jedem Wagentyp etwas "erwischt" haben wird, ist logisch, manchmal auch relative Unikate wie die 2503 ex Leipzig 1400. Aber man muss rein flächenmäßig und bei dem um 22 Uhr doch noch immer eingesetzten Fahrzeuganteil davon ausgehen, dass es aus der sehr großen Zone der inneren Stadt kaum noch ein Zug heraus geschafft haben wird (es reicht ein Schutthaufen auf dem Gleis oder eine zerrissene Fahrleitung) und wohl auch kaum ein Zug überstanden haben wird, selbst wenn er nicht unmittelbar getroffen wurde (Flächenbrand). Zumal sich beim seinerzeit überwiegenden Holzwagen-Anteil später kaum mehr die Identität eines Fahrzeuges wird feststellen lassen haben.

Dass Gothas zum Ausgleich von Verlusten zu spät kamen, leuchtet ein.

Leipzig hat 1956/57 die letzten verschrottet (m.W. nach 1 22er und 2 oder 3 passende Bw.), die für einen eventuellen Wiederaufbau noch aufgehoben worden waren. Erst die zeitweilige Reaktivierung des Bf. an der Hildebrandstr. als normaler Bf. (wegen Brückenbau an der Dölitzer Strecke) und damit Platzbedarf dort führte zum Entscheid, diese letzten Kriegswracks weder nach Dölitz auszulagern noch in Heiterblick instandzusetzen. Sicher wärer die körperliche Entsorgung sonst später erfolgt; ein Aufbau (als der 22c-Umbau auf vollen Touren lief und es mittlerweile 86 LOWA-Bw. gab) aber wohl kaum mehr erfolgt.
Zuletzt geändert von Möckern-Peter am 07.09.2010 04:27, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Manitou » 07.09.2010 01:03

Die Wiederaufnahme des Betriebes 1945 erfolgte mit den Wagen, die den Krieg unbeschädigt bzw. mit geringen Schäden überstanden hatten. Die Fahrzeuge mit schweren Schäden wurden z.T. bis Mitte/Ende der 50er Jahre erst wieder (z.T. als Aufbauwagen) instandgesetzt. Die Berliner S-Bahn hat mit den auf Fahrgestellen von ET/EB 167-Totalschäden aufgebauten Viertelzug 166 053 im Jahr 1959 die letzten reparierten Kriegs-Schadwagen wieder in Betrieb genommen, so daß der Abschluß des Wiederaufbaus z.T. erst nach der Lieferung der ersten Neubauwagen erfolgte, wobei allerdings die letzten Aufbauwagen eher als Neubauten nach alten Zeichnungen einzustufen waren. Dazu zählten auch die Hecht-Nachbauten, die mit Teilen aus Totalschäden 1954 entstanden.

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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Möckern-Peter » 30.03.2011 13:53

Geschrumpft ist die Bevölkerung nicht in jedem Fall.
a) sind da die "Neubürger" (DDR) und "Umsiedler" (BRD) zu nennen, alias Vertriebene, die oft in Großstädten auf einen Bf. gesetzt wurden: "so nun macht...!"
b) boten die größeren Städte oft bessere Berufschancen. Meine Mutter siedelte selbst 1952 mit 22 vom 25 km entfernten Eilenburg nach Leipzig deswegen. Zuvor war sie aber schon "Pendler" per Eisenbahn gewesen.
Die 713.000 von 1936 erreichte Leipzig zwar NIE wieder und man fragt sich heute eh, wo die alle Platz hatten... Aber eine 500.000er-Stadt war es immer bis zum Anschluss an die BRD. Dass es jetzt wieder mehr als 500.000 sind, liegt an der Vereinnahmung der Umlanddörfer.
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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Manitou » 31.03.2011 01:00

Die "Belegungsdichte" der Wohnungen war vor dem Krieg wesentlich höher, als heute. So wohnte z.B. ein Großonkel von mir zusammen mit seiner Frau in einer Einraumwohnung, die heute nur noch als Single-Wohnung für geringe Ansprüche (H.IV / Student) zu vermieten wäre, gwohnt. Meine Großeltern haben mit drei Kindern in einer Dreizimmerwohnung von ca. 65 m² gewohnt, die heutzutage für ein Ehepaar (evtl. mit einem Kleinkind) angemessen wäre. Auch Untermieter und Schlafburschen (die nur stundenweise ein Bett gemietet hatten) gab es damals.

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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Möckern-Peter » 31.03.2011 04:26

Manitou, ich weiß nicht, aus welchem Berliner Teil du stammst, aber Teilmieten gab es in Leipzig zuhauf.
Meine Mutter wohnte 1952 - 1953 in einem möblierten Zimmer zur Untermiete, 1953 - 1954 in selbem Zustand woanders. 1954 - 1960 mit einer Kollegin und 2 fremden Witwen zu viert in einer Wohnung. 1960 - 1965 mit ihrer zugezogenen Mutter und mir (ich bin von 1960) in 2 Räumen einer Teilhauptmiete mit einer alten Frau, 1965 - 1979 mit mir und Oma in 3 Räumen - die restlichen 2 hatte eine Frau mit 2 Töchtern. Erst 1979 bekamen wir eine eigene Wohnung, 2 Häuser weiter, auch die erste mit Bad, 3 Räume zu zweit (Oma starb). 2000 zog Mutter auf der Etage in eine leergewordene und ich habe seitdem die 3 Räume alleine (allerdings hat die ganze Wohnung nur 51 m2!). (Nun ist Mutter seit Anf. Jan. im Heim und gestern habe ich ihre Whg. an die Verwaltung übergeben.)
(Ich wohne also alle 50 Jahre im selben Stadtteil, davon 45 Jahre in meiner Straße und nun bereits 32 Jahre in dieser Wohnung, in der ich auch zu bleiben gedenke. Ich bin kein "Nachwende-Umzügler"...)
Beengte Verhältnisse, Teilmieten usw. waren in DDR-Großstädten üblich: Nicht umsonst hieß die Hauptaufgabe des 8.Parteitages der SED "die Lösung des Wohnungsproblems als soziale Frage", was die SED dann durch massenhaften Plattenbau zu lösen versuchte, gleichzeitig aber vor dem Problem stand, nicht mehr bewohnbare Substanz z.T. straßenweise abzureißen. Also immer durch den Verfall auch ein Minus zum Plus.
Platz wurde erst nach dem Anschluss durch a) die legale West-Flucht, b) die Umland-Flucht, c) den Sterbeüberschuss (alte machen Whg. frei, Kinder brauchen noch keine eigene), d) die Wiedernutzbarmachung eigentlich schon aufgegebener leerer Häuser durch Renovierung, e) Neubau nach 1990. Das führte in Leipzig nun schon wieder zum Überschuss, weswegen man bereits zahlreiche Plattenbauten abriss.
1989/90 gab es sogar eine Volksbaukonferenz mit dem Thema "Wie retten wir unsere Stadt?", d.h. wie bewahren wir gefährdete Gebäude vor dem restlosen Verfall und die Stadt vor Entkernung alter Stadtteile. Dass dann unklare Eigentumsverhältnisse, klamme Eigentümer und irgendwann nicht mehr rettbare Substanz usw. trotzdem für Abrisse sorgten, ist wiederum BRD-Phänomen.

Dazu gehört eben - straßenbahnseitig (ja!) - dass anderes Reparatur- und Wartungsverhalten der Verkehrsbetriebe, anderes Fahrgastaufkommen (weniger spitzenhaft) und andere Wohnverhältnisse dafür sorgten, dass die Fahrzeugbestände laufend sanken. Den Berufsverkehr alten Typusses würden wir heute nie mehr auf die Schiene bringen! Diese Wagenmengen sind einfach nicht mehr da. Allerdings gibt es heute eben auch nicht mehr diese Menge Wagen, die nur wenige Stunden am Tag benötigt wurden, da aber sschon wieder zu wenig und zu klein waren. Heute haben wir Probleme, Großmaßnahmen wie die Buchmesse, die Automesse usw. abzusichern, ohne Einschränkungen woanders.
Wiederum hat man sich in den 90ern mit den NGT8 "vertan". Man hatte mit weiterem größeren Fahrgastrückgang gerechnet. Die Kraftstoffpreise, Parkplatzmangel, Schulwege usw. sorgten nun dafür, dass die Züge z.T. manchmal schon wieder für angenehmes Reisen zu voll sind... Allerdings vertut man sich mit 1-Wagen-Zügen (ob 27 oder 45m) zunehmend die Chance zu variieren, wie man es mit Gothas und Tatras kann/konnte.

Ich denke, dass vieles davon nicht nur typisch für Leipzig typisch ist sondern auch auf andere größere Städte übertragen werden kann.
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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Manitou » 01.04.2011 00:42

Ich stamme aus dem Ostteil Berlins. die von mir angeführten Wohn-Beispiele liegen bereits mehrere Jahrzente zurück und beschreiben die Vorkriegs-Belegungsdichte von Wohnungen. Das diese sich z.T. nach dem Krieg trotz Bevölkerungsrückgang erstmal weiter steigerte, lag an der massiven Zerstörung von Bausubstanz. Andererseits baute sich ab ca. 1965 mit dem beginnenden größeren Wohnungsbau (anfangs schwerpunktmäßig an neue Industriebauten gekoppelt -> z.B. Eisenhüttenstadt) die Überbelegung wieder ab, so daß ab ca. 1970 Untermietsverhältnisse häufig in der Kombination Rentner-Ehepaar in zu große Wohung, wiel Kinder aus dem Haus + 1-2 Studenten in Untermiete bestand, Familien aber eigene abgeschlossene Wohnungen hatten. In den 80er Jahren begann in der DDR übrigens eine Welle der "stillen" Wohnungsbesetzung (heimlich einziehen, renovieren, nachträglich bei der KWV anmelden und Miete zahlen). Dies soll sogar die BK Merkel damals gemacht haben.

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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Möckern-Peter » 01.04.2011 02:58

Ein Kollege (Ruhestand seit Dez.) arbeitete von 1982 - 1990 in Berlin. Er kam als Fahrer nach Lichtenberg und dann als Rangierer. Er wohnte - na wo schon! - schräg rüber im Arbeiterwohnheim, mit 2 anderen Kollegen in einer 3-Raum-Wohnung. Für Schichtler dennnoch ungeeignet. Also kümmerte man sich. Ergebnis war: er bekam mit noch einem eine ganze Wohnung möbliert, weil der Herr Professor sie dank seiner Umland-Liebschaft nicht nutzte. Bedingung war nur, statt dem Herrn Prof. die Miete zu zahlen, der dadurch Berliner blieb. Kann sein, dass es die Hausverwaltung nie erfahren hat... Und von der Einbecker Str. auf Arbeit war wahrlich auch tragbar.
Zille aber liegt nun doch schon ein paar Jahrzehnte mehr zurück. Als man noch ein Kind, das eingeschlafen war, an die Wand lehnte, um das nächste in's einzige Bett zu legen. Als die Pisse noch die Bordkante (sofern vorhanden) entlanglief - immerhin hatte man ja Virchow.
Nein, bei uns wohnte jeder mit jedem. Abschlossene Familienwohnungen waren nicht unbedingt vorauszusetzen! Wo es die Größe hergab (5- u. 6-Raum-Wohnungen von 1880/90 z.B.), wohnten gar 2 größere Familien zusammen, z.T. mit einer originalen und einer Behelfsküche. Dass Berlin um etliches besser dran war als SUHL (sozialistisches unterentwickeltes Hinter-Land), ist ja nun offenes Geheimnis: Hier war Apfelsinen ein Fremdwort; dort lagen sie in den Stadtteilläden herum wie hier Äpfel und Rotkraut. Und so hat sich auch die Wohnsituation sicher entkrampfter gestaltet...
Allerdings gab es in Bln. auch genug Wohnungen, die schwer vermietbar waren. Kannte z.B. einen punk, wo das Haus normal eine Zumutung war (und er in der Wohnung natürlich das seine beitrug...). Dort wohnten nur wenige und auch mehr aus der Gruppe Problembürger; ich denke mal, der Hausverwaltung war es dort wohl egal, wer - und ob! - dort jmd. wohnte... und ob jene Leute Miete zahlten oder nicht.
(Langhans-/Ecke Behaimstr.; die 3 vom "Toni" kommend hielt gegenüber der Haustür - sie hatte da gerade frisch ihre KT bekommen.)
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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von bim » 01.04.2011 18:44

Möckern-Peter hat geschrieben:Allerdings gab es in Bln. auch genug Wohnungen, die schwer vermietbar waren. Kannte z.B. einen punk, wo das Haus normal eine Zumutung war (und er in der Wohnung natürlich das seine beitrug...). Dort wohnten nur wenige und auch mehr aus der Gruppe Problembürger; ich denke mal, der Hausverwaltung war es dort wohl egal, wer - und ob! - dort jmd. wohnte... und ob jene Leute Miete zahlten oder nicht.
Das waren typischerweise Häuser in privatem Besitz, deren Besitzer jedoch selbst bei gutem Willen nicht in der Lage waren, wenigstens die allernötigsten Instandsetzungen ausführen zu lassen. Es gab ja ohne "Vitamin B." weder Material noch Handwerker, selbst mit den nötigen Beziehungen fehlte schlicht das Geld zum Bezahlen der Handwerkerrechnungen. Schließlich waren die Mieten beim Stand der Vorkriegszeit eingefroren, durften selbst bei Neuvermietung nicht erhöht werden und deckten kaum die Betriebskosten.
So fielen der KWV (dem VEB Kommunale Wohnungsverwaltung) nach und nach viele Häuser nahezu kostenlos zu, denn wer kaufte schon privat ein Haus, in das laufend eingezahlt werden musste; ohne Aussicht, jemals auch nur eine geringe Rendite zu erzielen? Die "Komplex-Brigaden" der KWV hatten denn auch sehr viel zu tun, solche Häuser überhaupt bewohnbar zu halten. Nicht wenige wurden aufgegeben, verfielen und wurden schließlich abgerissen. Parole: Ruinen schaffen - Ohne Waffen!

Hat aber weder was mit Hechten noch Lowas zu tun.

Übrigens hatte die Berliner BVG von LOWA Werdau im Gegensatz zu vielen anderen DDR-Betrieben nur einen einzigen Triebwagen erhalten - den misslungenen Versuchsgroßraumwagenzug TDE52.
Die Zusammenarbeit mit dem Berliner LOWA-Werk im Johannisthal war ergiebiger: Ihr entsprang eine ganze Serie Arbeitstriebwagen und eine größere Anzahl Wiederaufbauten kriegsbeschädigter T24 sowie später erste Modernisierungen dieses Typs mit ESW-Komponenten.

Somit wurden die 40 nach Berlin gelieferten B50 (LOWA Typ EB50 der Baujahre 1950 und 1951) ausschließlich hinter Vorkriegs-Triebwagen eingesetzt. Von Reko-Triebwagen wurden sie nie gezogen, da sie bis zuletzt mit Albertkupplung versehen waren. Typisch waren Zugbildungen mit den langen Maximum-Vierachsern und mit den verschiedenen Mitteleinstiegwagen. Durch die Rückführung und Restaurierung des nach Dessau verkauften Bw 1707 können seitdem vom DVN diese Kombinationen im Museumsbetrieb gezeigt werden. Typisch für die Berliner Lowa-Bw (auch nach ihrer Abgabe nach Dessau, Zwickau, Dresden, Rostock) war das mittige Loch über dem Stirnfenster zur Duchführung des 600-V-Lichtkabels.
So long

Mario

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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Manitou » 02.04.2011 00:32

Gab es in Berlin Altbauwagen mit Schaku, die im Zugverband mit Rekowagen eingesetzt wurden? Erhielten die TM36 die Schaku erst als Arbeitswagen?

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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Möckern-Peter » 02.04.2011 05:39

Vom mir bekannten Bildmaterial wurde der Reko nur mit seinesgleichen eingesetzt bzw. mit Großraumbw. Dürfte auch hier eine Frage der Kupplung gewesen sein.

Andererseits kenne ich von mir bekanntem Bildmaterial die LOWA-Bw. wie vorgenannt hinter ME- oder Max.-Tw., jedoch nur als Einzelbw. Ist das Zufall, dass mir Bilder mit 2 Bw. nie unterkamen, war es eine Frage von Angebot/Nachfrage, oder waren die Tw. evtl. wegen ihrer Motorisierung nicht für 2 Bw. zugelassen?
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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Manitou » 03.04.2011 02:15

Für uneingeschränkte Doppelbehängung waren in Berlin nur Triebwagen mit 2x 60 kW-Motoren zugelassen. Dazu zählten neben den meisten Rekowagen nur die T24, die bis zur Rekonstruktion vermutlich überwiegend mit B24 eingesetzt wurden (einheitliches Zugbild).

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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Möckern-Peter » 03.04.2011 04:40

Also sind die LOWA praktisch nur allein gefahren, obwohl sie gewiss eine normale Kupplung einschl. E-Kabel an beiden Enden hatten. Ausnahmen dürften freilich die Regel bestätigen...
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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von AKA » 03.04.2011 06:41

Das stimmt so nicht, gerade auf der 84 waren Maximumwagen mit zwei LOWA Beiwagen an der Tagesordnung. Auch vor der Netztrennung fuhren auf der 74 Vierachser mit zwei LOWA nach Lichterfelde.

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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Möckern-Peter » 03.04.2011 14:22

Aha, danke.
Demnach waren also (zumindest einige) 4-achser starkmotorisiert, um dies zu dürfen.
(Wechselseitig wurden die ZR-Bw. ja zumindest bei Nutzung von Kuppelendstellen ohnehin benutzt.)

Und ein neuer Fakt!: Sozialistische Wagen sind also 1950 - 1953 (ab dann war ja umsteigen an Grenzendstellen bereits üblich, so dass es 1961 gar kein Problem mehr gab, als nur die noch bestehenden Betriebsverbindungen zu kappen) echt in die kapitalistische Besatzungszone gerollt? Das wusste ich nicht! (Die B53 sicher nicht mehr, der LOWA-Großraumer konnte es wegen seiner Breite eh nicht, und die von Gotha oder RAW ab 1957 gebauten logisch auch nicht mehr. Die "vorzeitige" Netztrennung hat ja die Grenzsicherungsmaßnahme de facto vereinfacht, weil nichts mehr Hals über Kopf zu regeln war sondern bereits schon knapp 8 Jahre vollzogen war.)
Weiß man, ob im Umkehrfalle die beiden einzigen West-Neubauten (die Großraumzüge von 1952) jemals Ost-Berliner Gebiet befahren haben? Oder konnte man sich nur "drüben" "ein Auge holen"?
Du schreibst von der 74. Das klingt nach einer Weißensee-Linie. Von dort bis Lichterfelde - das ist ja bekanntlich südlichSTes Berlin... Oh Mann, muss die aber ewig von A nach B unterwegs gewesen sein! Arme Fahrer; da taten einem danach gewiss die Füße oder der Hintern weh :-(
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Re: Hecht + LOWA

Beitrag von Matze » 03.04.2011 14:35

Die beiden Westberliner Großraumzüge kamen, soweit mir bekannt ist, nur auf der damaligen Linie 75 (Hakenfelde - Bahnhof Zoo) zum Einsatz. Diese Linie fuhr nicht durch Ostberlin.
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