Exportländer

Diskussionen über die LOWA-, Gotha- und Reko-Fahrzeuge
joschie99
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Exportländer

Beitrag von joschie99 » 02.05.2008 12:31

Meines Erachtens nach sind die Gotha-Wagen nur in die SU geliefert worden. Die LOWA-Wagen zusätzliche auch nach Polen (Warschau).

Die Reko-Wagen wurden gar nicht exportiert.

Oder gibt es mittlerweile andere Erkenntnisse?

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Re: Exportländer

Beitrag von Sithis » 02.05.2008 12:59

Wieso sollten die Rekowagen exportiert werden? Die Rekowagen waren aus der Not heraus entstanden und auf dem Papier "Rekonstruktionen" von Vorkriegswagen. Tatsache waren die meisten Wagen Neubauten, bis auf einige Altkomponenten wurde wenig vom Vorbild - dem Berliner T24 - verwendet. Lediglich die Wagen der ersten Baujahre haben teilweise noch wirklich Bauteile der T24 erhalten, wie etwa die EM60/600 Motoren, Achsen usw. wobei die Motoren sowieso schon nachgerüstet waren, ursprünglich waren es nämlich andere.
Offiziell hätte es gar keine neuen Rekos geben dürfen. Insofern erübrigt sich die Frage nach dem Export.
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Re: Exportländer

Beitrag von koneggS » 02.05.2008 13:36

Es gab zwar keinen Export von Rekowagen, allerdings ist deine Begründung nicht wirklich darauf zutreffend. Man hätte auf dem Papier auch irgendwelche ausländischen Altwagen rekonstruieren können und diese dann in den jeweiligen Städten einsetzen, oder selbst "umgebaute" T24 verhökern können. Dass Rekos nicht exportiert wurden war eher eine Frage des technischen Standards usw, den die Wagen boten.
Zuletzt geändert von koneggS am 02.05.2008 14:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Exportländer

Beitrag von joschie99 » 02.05.2008 13:51

Unter dem Gesichtrspunkt, dass es ohnehin "Schwarzbauten" waren ist das wohl zutreffend.

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Re: Exportländer

Beitrag von Sithis » 02.05.2008 14:57

koneggS hat geschrieben:Es gab zwar keinen Export von Rekowagen, allerdings ist deine Begründung nicht wirklich darauf zutreffend. Man hätte auf dem Papier auch irgendwelche ausländischen Altwagen rekonstruieren können und diese dann in den jeweiligen Städten einsetzen, oder selbst "umgebaute" T24 verhökern können. Dass Rekos nicht exportiert wurden war eher eine Frage des technischen Standards usw, den die Wagen boten.
Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Was für ausländische Altwagen hätte man denn rekonstruieren sollen? 2,50m breite Holzwagen aus Tschechien? Die Rekowagen waren für den Eigenbedarf gedacht, unabhängig vom technischen Standard. Die DDR durfte ab 1965 ohnehin nichts mehr exportieren, und auch nach dieser Zeit entstanden Rekowagen.
Die Rekowagen waren für viele Betriebe die einzige Rettung, bevor die Vorkriegswagen endgültig auseinanderfielen, außerdem wollte man etwas "moderner" aussehendes haben.
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Re: Exportländer

Beitrag von koneggS » 02.05.2008 16:24

Ich glaube du missverstehst da etwas. Die Spenderwagen sind im Prinzip egal, da die Rekos ohnehin neu gebaut wurden, da hätte es auch eine Pferdekutsche als Spenderfahrzeug getan.

Was für ein Exportverbot soll es für die DDR gegeben haben? Was man nicht produziert, kann man auch nicht exportieren, somit erübrigt sich das. Die DDR gab auf recht freiwilliger/naiver Basis im Schienenfahrzeugbau die Produktion von Großdieselloks und Straßenbahnwagen ab, E-Loks sowie Reisezugwagen wurden fleißig weiterexportiert, und zwar in den ganzen Ostblock. Trotzdem produzierten einige Länder eigene Reisezugwagen (Polen^^, Russland), ohne dafür eins drauf zu bekommen...
Rekowagen waren ja offiziell Umbauten, somit wären sie nicht unter diesen RGW-Beschluss gefallen, da sie lediglich eine Grundinstandsetzung bereits vorhandener Fahrzeuge gewesen wären. Außerdem waren die RGW-Beschlüsse ohnehin kaum bindend, wie hätte Polen sonst die Konstals raubbauen können, ohne dafür bestraft zu werden!?

Dass die Rekos nicht exportiert wurden, liegt eher an deren technischen Stand als an irgendwelchen RGW-Beschlüssen sowie an nationalen Produktionskapazitäten (CKD, Bengali, Konstal)
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Re: Exportländer

Beitrag von joschie99 » 02.05.2008 18:05

koneggS hat geschrieben:Ich glaube du missverstehst da etwas. Die Spenderwagen sind im Prinzip egal, da die Rekos ohnehin neu gebaut wurden, da hätte es auch eine Pferdekutsche als Spenderfahrzeug getan.

Was für ein Exportverbot soll es für die DDR gegeben haben? Was man nicht produziert, kann man auch nicht exportieren, somit erübrigt sich das. Die DDR gab auf recht freiwilliger/naiver Basis im Schienenfahrzeugbau die Produktion von Großdieselloks und Straßenbahnwagen ab, E-Loks sowie Reisezugwagen wurden fleißig weiterexportiert, und zwar in den ganzen Ostblock. Trotzdem produzierten einige Länder eigene Reisezugwagen (Polen^^, Russland), ohne dafür eins drauf zu bekommen...
Rekowagen waren ja offiziell Umbauten, somit wären sie nicht unter diesen RGW-Beschluss gefallen, da sie lediglich eine Grundinstandsetzung bereits vorhandener Fahrzeuge gewesen wären. Außerdem waren die RGW-Beschlüsse ohnehin kaum bindend, wie hätte Polen sonst die Konstals raubbauen können, ohne dafür bestraft zu werden!?

Dass die Rekos nicht exportiert wurden, liegt eher an deren technischen Stand als an irgendwelchen RGW-Beschlüssen sowie an nationalen Produktionskapazitäten (CKD, Bengali, Konstal)

Diesem Sachverhalt muss ich recht geben, wass nicht hergestellt wurde konnte auch nicht exportiert werden.

Die UdSSR hat ja auch nach 1965 selbst Straßenbahnen hergestellt. Allerdings nur in 1524mm-Spur. (z. B. KTM 5 und RWZ 6)

Polen, Rumänien und Ungarn taten das Gleiche für den Eigenbedarf!

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Re: Exportländer

Beitrag von Sithis » 02.05.2008 19:26

Ich glaube du missverstehst da etwas. Die Spenderwagen sind im Prinzip egal, da die Rekos ohnehin neu gebaut wurden, da hätte es auch eine Pferdekutsche als Spenderfahrzeug getan.
Ich glaube eher, du mißverstehst das. Die Rekowagen wurden nicht aus Spaß gebaut, sondern um den Betrieben einen fahrfähigen Wagenpark zu sichern. Die meisten Betriebe konnten bekanntlich keine Wagen aus Prag einsetzen, insofern wurden eben die Altwagen auf dem Papier zu Rekowagen. Die Spenderwagen sind nicht egal, da die BVB darauf bestand, daß der Rekowagen dem Vorbild des T24 folgte. Und es wurden ja tatsächlich auch einige Teile davon weiterverwendet. Der T24 wurde in rauen Mengen geliefert und in den 40er bis 50er Jahren mit neuen Motoren usw. modernisiert, die wollte man nun nicht wegwerfen und hat sie für die Rekos verwendet.
Was für ein Exportverbot soll es für die DDR gegeben haben? Was man nicht produziert, kann man auch nicht exportieren, somit erübrigt sich das. Die DDR gab auf recht freiwilliger/naiver Basis im Schienenfahrzeugbau die Produktion von Großdieselloks und Straßenbahnwagen ab, E-Loks sowie Reisezugwagen wurden fleißig weiterexportiert, und zwar in den ganzen Ostblock. Trotzdem produzierten einige Länder eigene Reisezugwagen (Polen^^, Russland), ohne dafür eins drauf zu bekommen...
Und was hat das nun mit den Rekowagen zu tun? Es durfte offiziell keine Neubauten von Straßenbahnen geben, lediglich mit Sondergenehmigung wurden ja nochmal Gothawagen gebaut. Rußland gab es nicht, das hieß damals noch "Sowjetunion" und den "Chefs" wird garantiert keiner eins "draufgeben".
Rekowagen waren ja offiziell Umbauten, somit wären sie nicht unter diesen RGW-Beschluss gefallen, da sie lediglich eine Grundinstandsetzung bereits vorhandener Fahrzeuge gewesen wären. Außerdem waren die RGW-Beschlüsse ohnehin kaum bindend, wie hätte Polen sonst die Konstals raubbauen können, ohne dafür bestraft zu werden!?
Und wer hätte bitte Umbauten von ca. 40 Jahre alten Wagen nehmen sollen? Die Rekos waren absolut für den Eigenbedarf der DDR vorgesehen, man wird also nicht einmal daran gedacht haben, sie zu exportieren, da Fahrzeugmangel herrschte.
Exportiert wurde zur damaligen Entstehungszeit der Rekos der Gothawagen, der sicherlich zweifelslos technisch besser sind. Was Konstal und co. getrieben haben, spielt für die DDR überhaupt keine Rolle.
Dass die Rekos nicht exportiert wurden, liegt eher an deren technischen Stand als an irgendwelchen RGW-Beschlüssen sowie an nationalen Produktionskapazitäten (CKD, Bengali, Konstal)
Nö. Wieso sollte man etwas exportieren, was man selber verwenden möchte? Und wo es dazu noch nicht mal angemessenen Ersatz gab? Die "Qualitätsprodukte" aus Prag hätten zu viel Strom gefressen und wären nicht durch viele Kurven gekommen, auch die Wagen anderer Länder wären für die DDR wohl ungeeignet gewesen, abgesehen vielleicht von Duro Dakovics Zweiachsern, aber die wurden für die Betriebe da unten gebaut.
Und es gab noch wesentlich mehr Straßenbahnen in den sozialistischen Ländern, die technisch auf dem Stand der Rekos und meistens im Vergleich zu diesen auch schlecht verarbeitet waren. Die Rekos sind unbequem, aber solide. In Rumänien und anderen Ländern baute man damals noch recht primitive Zweiachser, die rasch verschwanden, als es was Besseres gab. Hier wären die Rekos sicherlich besser gewesen. Aber wie schon gesagt brauchte die DDR sie selber(abgesehen davon, daß der Löwenanteil eh in Berlin fuhr), weiterhin war der Export von Wagen durch ganz Europa eh eine Schnapsidee. In der SU sind die Gothawagen ja auch recht schnell ausgemustert worden, warum wohl? Es dürfte an einer mangelhaften Ersatzteilversorgung gelegen haben und der Tatsache, daß dort jede pupsige Provinzstadt Trams anforderte - also zu viele.
Die Bengali-"Schüttelrutschen" sind auch Rekowagen auf Fahrgestellen von älteren Wagen.
Die UdSSR hat ja auch nach 1965 selbst Straßenbahnen hergestellt. Allerdings nur in 1524mm-Spur. (z. B. KTM 5 und RWZ 6)
Die UdSSR hat sowieso gemacht, was sie wollte. Und nein, es gab auch einige wenige KTM-Wagen in Normalspur.
Abgesehen davon bezweifle ich stark, daß irgendjemand gerne russische "Wertarbeit" hierzulande gehabt hätte. Die KTM5 sind nach den Berichten im Netz grausame Wagen, und die RWZ aus Riga waren zwar bequem, aber wiederum zu breit für Deutschland und andere Länder, wo man keine 2,50m breiten Wagen verwenden konnte.
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Re: Exportländer

Beitrag von koneggS » 02.05.2008 19:43

:roll:
Der Rekowagen war nie für den Export bestimmt, das habe ich auch nie behauptet. Allerdings wäre dieser Export auch nicht an irgendwelchen Bestimmungen gescheitert, sondern eher am Rekowagen selbst, mehr wollte ich auch nicht sagen. Was man da alles hineininterpretieren kann....

-Ende der Diskussion-
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Re: Exportländer

Beitrag von Sithis » 02.05.2008 19:57

Also wenn du schreibst:
Dass Rekos nicht exportiert wurden war eher eine Frage des technischen Standards usw, den die Wagen boten.
...hört es sich so an, als ob man zwar potenziell bereit gewesen wäre, diese Wagen zu exportieren, es dann aber noch nicht getan hat, weil sie technisch veraltet waren. Recht mißverständlich!
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Re: Exportländer

Beitrag von koneggS » 02.05.2008 20:53

Ich wollte sagen, dass es möglich gewesen wäre, ihn zu exportieren, ohne vom RGW eins auf die Mütze zu bekommen. Man hat es nicht getan, sicherlich auch, um das recht gute Ansehen der DDR-Produkte nicht zu gefährden. Gegenüber CKD und Konstal wäre man mit dem Rekowagen doch etwas...na ja, unterentwickelt rübergekommen ;)t
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Re: Exportländer

Beitrag von Sithis » 02.05.2008 21:06

1. Ist es ne Mutmaßung.
2. Hätte man (und hat man ja auch) Gothawagen exportiert.
3. Ohne das RGW-Abkommen hätte der Rekowagenbau gar nicht so große Auswüchse angenommen, wie er es dann getan hat.
4. Als ob CKD und Konstal nun unbedingt Aushängeschilder sozialistischer Produktion waren.
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Re: Exportländer

Beitrag von koneggS » 02.05.2008 21:11

1. Wie alles andere in diesem Topic auch
2. Eben, aber auch etwas eher
4. Konstal definitiv nicht, aber so ein 102Na ist etwa aus der Zeit der Rekos, und da ist es offensichtlich, welches Fahrzeug (von der optik mal abgesehen) moderner war.
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Re: Exportländer

Beitrag von Sithis » 02.05.2008 21:20

Konstal war garantiert nicht "moderner". Du vergißt irgendwie auch, daß die Rekos auch daher entstanden, weil es Betriebe gab, die keine PCC-Wagen und Großraumwagen bzw. Sechsachser wie den K2 oder den 102N nicht einsetzen konnten...
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Re: Exportländer

Beitrag von koneggS » 02.05.2008 21:25

Ich will jetzt keine Typendiskussion, aber begründe mir mal, warum ein Reko moderner als ein 102 Na sein sollte :lol:

Man hätte in der DDR einfach die Gotha-Gelenkwagen weiterbauen können, die wirkten wenigstens halbwegs modern, auch wenn es nur aneinergebaute 2-Achser waren. Man hätte den Rekos auch so etwas wie eine wirksame Federung verpassen können, damit sie halbwegs an den Gotha rangekommen wären.
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