Hechtfahrzeuge in DD und MD

Rund um das Thema historische Straßenbahnfahrzeuge und Museumsstraßenbahnen
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koneggS
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Re: Hechtfahrzeuge in DD und MD

Beitrag von koneggS » 07.09.2008 17:40

Alfred Bockemühl, frag doch mal die Wikipedia.
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Möckern-Peter
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Re: Hechtfahrzeuge in DD und MD

Beitrag von Möckern-Peter » 23.10.2010 04:48

Bockemühl war als Direktor der Dresdener Straßenbahn der Konstrukteur der Hechte, ging dann nach Stuttgart und entwickelte auch dort einige für ihre Zeit sehr moderne Wagen.
Wenn alle Betriebe nur T6/KT4(t)/KT8 verwenden würden, wäre die Welt eintöniger. Schöner wäre sie trotzdem!

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helgotram_44
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Re: Hechtfahrzeuge in DD und MD

Beitrag von helgotram_44 » 25.09.2011 10:58

Professor Bockemühl war Technischer Direktor und ab 1945 Direktor bei der Dresdner Strassenbahn AG bis etwa 1949, danach Direktor der Stuttgarter Strassenbahn (deswegen tauchten dort auch einige Ideen aus Dresden wieder auf).
Er konstruierte den Hechtwagen und beschäftigte sich mit der Modernisierung des schienengebundenen Großstadtverkehr.


Ich habe eine Frage zum "Magdeburger" Hecht. Darf dieser Wagen seine volle Höchstgeschwindigkeit ausfahren?

In Dresden wird zur Schonung des Schaltwerkes des "Großen Hechtes" z.Z. nur mit Serienschaltung gefahren, dadurch erreicht er auch nicht seine legendäre Fahrdynamik. Das ist sehr schade, aber vielleicht gibt es ja irgendwann die Möglichkeit, dies wieder zu ändern, ohne daß anch jeder Fahrt mit größerem Aufwand am Schaltwerk gewerkelt werden muß.

Auch in Hamburg ließ man sich in den dreißiger Jahren von der Dresdner Entwicklung inspirieren und entwickelte den Typ V4, der äußerlich sehr stark dem Großen Hecht ähnelte.

Interessant ist, daß das Zentralschaltwerk in weiterentwickelter Form noch Technischer Stand bis Ende der sechziger Jahre darstellte. Erst dann erfolgte die elektronische Tyristor-Schaltung als revolutionärer Schritt.

helgotram_44

Kombifahrer
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Re: Hechtfahrzeuge in DD und MD

Beitrag von Kombifahrer » 26.09.2011 08:38

Der Große Hecht in Dresden wird zwecks Schonung des Schaltwerks sicher nicht mehr mit Parallelschaltung gefahren. Grund ist, dass die Fahrströme über das Schaltwerk ausgeschaltet werden. Beim Ausschalten des Fahrstroms entstehen sehr große Abschaltfunken, die an Kontakten Abbrand verursachen und erheblich Ruß bilden. Im Linienverkehr bedurften die Schaltwerke viel Pflege und alle 2 Jahre einer Aufarbeitung mit Ausbau. Der Große Hecht fährt in der Reihenschaltung ca. 45 km/h, im leichten Gefälle auch einmal etwas schneller, was will man heute einer 80 Jahre alten Straßenbahn zumuten. Freuen wir uns darüber, dass der Wagen hoffentlich noch lange betriebsfähig erhalten werden kann. Die Parallelschaltung wäre auf Steigungen sicher schön, aber mit Erhöhung der geforderten Leistung steigen auch die Stromstärken und die Abschaltfunken werden noch größer... Übrigens haben das auch schon die Verantwortlichen früher im Linienverkehr beachtet und die Nutzung der Parallelschaltung auf starken Steigungen verboten (Mordgrundbrücke - Plattleite, Bienertmühle - Coschützer Straße, Westendstraße - Fußweg nach Kaitz).
Ein weiteres Problem mit der Parallelschaltung wäre, dass außer bei Gefahr nur nach Abschalten aller Vorwiderstände der Fahrstrom ausgeschalten werden durfte. Bei der heutigen Anzahl von Lichtzeichenanlagen, Streckentrennern und anderen Gegebenheiten gibt es in Dresden kaum eine Strecke, wo man mal "überschalten" könnte. Die Ausschaltgeschwindigkeit liegt auf gerader Strecke bei über 50 Km/h, das muss man ja dann auch noch sicher und materialschonend abbremsen können.
Der Dresdner Kleine Hecht 1820 kann auch in der Parallelschaltung gefahren werden, dort wird der Fahrstrom über einen Schnellschalter getrennt, womit das Schaltwerk ohne Last zurücklaufen kann und keine Abschaltfunken entstehen.

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ullikoch
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Re: Hechtfahrzeuge in DD und MD

Beitrag von ullikoch » 04.04.2012 16:48

helgotram_44 hat geschrieben: Ich habe eine Frage zum "Magdeburger" Hecht. Darf dieser Wagen seine volle Höchstgeschwindigkeit ausfahren?
Ich kenne den heutigen Stand (Tw70) nicht, aber zu meiner Zeit (1965 - 1970) hatten die "Knopfwagen" eine Schaltwerkssperre .
Eines Sonntags fuhr ich einen Einsatzzug auf der Linie 2 . Die Schaltwerkssperre schien defekt zu sein . Es war ungeheuerlich, wie schnell der Bursche im Parallelbetrieb auf dem Breiten Weg wurde . Es war die reine Freude, aber man musste wegen des Bremsverhaltens sehr vorrausschauend fahren . Dummerweise stieg der damalige Chef aller FahrerInnen mit Familie zu, bemerkte die hohe Geschwindigkeit und setzte den Zug ausser Betrieb . Haette ich ihn beim Zustieg bemerkt, haette ich mich natuerlich zurueckgehalten . Aber vielleicht war es besser so, denn was waere bei einer Notbremsung passiert ?
Gruss, Ulli

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Re: Hechtfahrzeuge in DD und MD

Beitrag von bim » 04.04.2012 17:49

ullikoch hat geschrieben:
helgotram_44 hat geschrieben: ... zu meiner Zeit (1965 - 1970) hatten die "Knopfwagen" eine Schaltwerkssperre.
Was sperrte die Schaltwerksperre, die Shuntstufen oder die Parallelstufen?

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ullikoch
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Re: Hechtfahrzeuge in DD und MD

Beitrag von ullikoch » 04.04.2012 20:10

bim hat geschrieben: Was sperrte die Schaltwerksperre, die Shuntstufen oder die Parallelstufen?
Die Parallelstufen wurden nicht geschaltet . Was sind die Shuntstufen ?
Gruss, Ulli

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Re: Hechtfahrzeuge in DD und MD

Beitrag von Kombifahrer » 06.04.2012 18:11

Der Shunt ist ein Parallelwiderstand zu den Feldspulen der Fahrmotoren. Damit wird der Magnetismus der Feldspulen geschwächt, was den erzeugten Gegenmagnetismus im schnellaufenden Motor verringert und damit die Drehzahl (und erreichbare Hochstgeschwindigkeit) erhöht. Damit erhöht sich aber auch die Gefahr des Überbremsens der Fahrmotoren und damit das Entstehen von Motorschäden. Deshalb wurden zum Beispiel in Dresden die Feldschwächungsstufen bei allen Altbaufahrzeugen nach 1945 abgeklemmt.
Bei automatischen Schaltwerken schaltet der Shunt nach dem Abschalten der Widerstände zu. Bekanntestes Beispiel ist die Beschleunigersteuerung des T4D. Ohne Feldschwächung der Fahrmotoren würde der Wagen nur etwa 30 Km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen.
Bei den alten Fahrzeugen war der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Fahren mit Shunt und ohne Shunt aber wesentlich geringer. Auch alle ET - Fahrzeuge hatten diesen Widerstand. Den konnte man als Dauerfahrstufe in der Reihenschaltung (beim STNFB1 der 10. Fahrkontakt) und in der Parallelschaltung (18. Fahrkontakt) einschalten. Wegen den oben genannten Problemen mit Motorschäden wurden sie in Dresden nach 1970 ebenfalls abgeklemmt.
Wer einmal mit Fahrzeugen, die mit funktionsfähigem Shunt ausgestattet sind mitfahren will, kann dies bei der Kirnitzschtalbahn erleben. Bei den dortigen ET nutzt man vor allem den 10. Fahrkontakt als brauchbare Dauerfahrstufe. Auch der Triebwagen 8 (ex Erfurt Baujahr 1938) ist "shuntiert." Letztgenannter Triebwagen ist am 30.04. und 01.05, sowie zu Pfingsten neben den Triebwagen 5 und 9 (Einweihung nach Instandsetzung) als Verstärker im Einsatz. Näheres unter ovps.de/verein .

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Re: Hechtfahrzeuge in DD und MD

Beitrag von ullikoch » 07.04.2012 10:42

Danke fuer die ausfuehrliche Aufklaerung :ds:
Gruss, Ulli

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