Gefundene Straßenbahn

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Möckern-Peter
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Gefundene Straßenbahn

Beitrag von Möckern-Peter » 18.05.2011 00:31

1982, als man noch recht jung war (22), machte man jugendliche Ausflüge... (Wir reden mal von dem, was wir féte nannten und heute party heißt.)
So zog man gen Beucha, nahe bei Leipzig - gewiss nicht ohne "Treibstoff"...
Und was fand man in Seelingstädt bei Trebsen? Eine alte Leipziger Straßenbahn!
Kaum noch als solche zu erkennen - viel ist ja nicht gerade übrig...

Es handelt sich um einen alten Typ 20b oder g aus dem Jahre 1912/13, wozu auch der HTw. 809 gehört hat, der zuletzt als 1267 unterwegs war.
Immerhin ließ sich sogar noch die letzte Wagennummer feststellen: 1260.


Mal etwas anderes im Forum... Ich fand es beim Suchen nach ganz anderem.
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Sithis
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Re: Gefundene Straßenbahn

Beitrag von Sithis » 18.05.2011 00:37

Ob der da noch steht? Manchmal gibt es unmögliche Dinge...
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Möckern-Peter
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Re: Gefundene Straßenbahn

Beitrag von Möckern-Peter » 18.05.2011 01:42

Nach nunmehr 28 Jahren wohl eher nicht mehr...
Wenn man ihn nicht gewollt beseitigt hat, wird wohl das letzte zerfault sein.
Das "Ding" stand neben einem verlotterten Grundstückszaun, aber quasi schon am Feldrand, aber auch da wuchsen ja statt Kulturpflanzen durchaus auch Büsche.
Ausgemustert wurden die in den frühen 60ern (so 1961 - 1963), die 20a sind z.T. noch bis 1965 gefahren; die Nummern kriegten dann "nahtlos" die G4. Also kann man davon ausgehen, dass diese Überreste da villei schon damals knappe 20 J. vor sich hinrotteten.
Wie man sieht: Fußboden wech, Pflanzen im Innenraum, ein Plattformblech (auf der anderen Seite) abgefallen und steht Kopf, Seitenbleche auch wech. Das Frontblech mit Nr. mag noch die wettergeschütztESTe Seite gewesen sein...
Was noch existierte, waren halt die Säulen und Fragmente vom Laternendach. Jahrzehntelang abgelagertes Holz beim Bau - es zahlte sich aus: dieses Holz war "tot", da "arbeitete" nix mehr.
Schön, dass er identifizierbar war; denn anhand der Fensterteilung wäre auch ein Typ 13, 15 oder 19 möglich gewesen. Der Vorreiter für dieses lang-kurz-lang war Berlin. Leipzig hat dann aber oft später die großen Scheiben geteilt, manchmal nur einige am Wagen. In und nach dem Krieg waren es ja sogesehen keine echten Typ 20 mehr, sondern rassisch in -a, -b oder -g unterteilt. -a waren "besser modernisierte", -b "hilfsmodernisierte" und -g = Grundausführung welche, an denen so gut wie alle Maßnahmen "vorbeigingen"... Einige hatten sogar Linien- und Richtungsband-Ausrüstung, allerdings auch wiederum nicht die -g. Dafür gab es sogar -a mit vorgezogenen Dachhauben à la Typ 22. Wohl kaum ein Typ war so heillos durcheinander wie die 20er...
Originale Nummern: 518 - 600 und 801 - 862* (also eine erkleckliche Stückzahl)
*da ist also die 809 bei, die dann 1267 wurde
Spätere Nummern geplant: 1218 - 1362
Spätere Nummern realisiert (nach Überarbeitung wegen Brand Paunsdorf 1920): 1180 - 1324
Ursache für zeitigen Schwund ist, dass man bereits nach 1932/33 Wagen abstellte und z.T. verschrottete, da die Mindestnutzungsdauer von 20 J. 1932 eigentlich erreicht war. Als sich abzeichnete, dass neue Wagen in Bälde nicht kommen würden, stoppte man sehr schnell die Zerlegung und nahm die Stillgelegten nach und nach bis 1942 wieder in Betrieb. Das waren dann die notdürftigsten, die -g.
Interessant ist noch, dass aus diesen Wagen 2 Experimentzüge gebildet wurden:
der M-Zug (Mehrwagenzug) aus 1187 und 1188 mit mittigem Pullman-Bw. 601, und
der Z-Zug (Zwillingszug) aus 1189 und 1190 ohne Bw.,
jeweils mit funktionsunfähigen oder ausgebauten E-Ausrüstungen auf der "B-Plattform".
Beide Tw. eines Paares waren durchgeschaltet. Die Züge wurden später wieder getrennt und die Wagen als normale -a benutzt.
Auch im Typ 20 wurde reichlich umnummeriert; die Nr. der einzelnen Wagen sind bekannt.
Zuletzt geändert von Möckern-Peter am 18.05.2011 14:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gefundene Straßenbahn

Beitrag von bim » 18.05.2011 13:16

Möckern-Peter hat geschrieben:Der Vorreiter für dieses lang-kurz-lang war Berlin.
Daher wurden die Fahrzeuge auch als "Berolina" bezeichnet, allein die Große Berliner Straßenbahn hatte 1896 bis 1903 von dieser Type 841 Stück als Triebwagen beschafft, weitere durch verschiedene Vorortbahnen, also ein Standardfahrzeug in Berlin. http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:P ... %9Fenbahn)

Bis heute existieren zwei (davon einer fahrbereit) als Museumswagen beim DVN e.V.:

Bild
Bild

Ein weiteres erhalten gebliebenes Exemplar der Westlichen Vorortbahn aus der früheren Sammlung der BVG steht heute im Deutschen Technikmuseum Berlin. Typenblatt:
http://www.berliner-verkehrsseiten.de/m ... _M5-40.pdf
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Möckern-Peter
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Re: Gefundene Straßenbahn

Beitrag von Möckern-Peter » 18.05.2011 13:56

Zugegebenermaßen hatte Berlin ja auch das größere Netz... mal anerkennend sag

Wie man sieht, waren sie bei mehrerlei Betrieben ansässig. Bei unseren 2 Hauptbetrieben auch. Typ 13, 19 und 20 waren GLSt-, Typ 15 LESt-Wagen. Als 13er ist die 500 erhalten, als 19er keiner* (nur 11 St.), als 20er jene 809 und als 15er die 179. Bw. Typ 51 hatten auch diese Fenster. Sind aber großteils 1931/32 im zeitgenössischen "design" reko wurden: > die 54er mit der vorn 1, hinten 2 Türöffnungen, 5 Fenster, Dachhauben, verlängerte Plattformen. Sahen sich also nicht mehr ähnlich. Auch die 19er und 20er Tw. gingen ja in Umbau. 13er von 1899/1906 und 15er von 1900 sind nicht mehr verglast worden; sie fuhren noch vereinzelt bis 1934, seit den schwerer Erfrierungen von Fahrern 1929/30 nur noch im Sommer. Man sieht also: das ist die Ausmusterungswelle der 1.Generation (1922 - 1935); man hat also durchaus verschrottet, eben auch jene 20er, bis man das bei den ja jüngeren 20ern (die ja "erst" von 1912 waren und nicht schon von um 1900) schnellstens stoppte und sie wieder reaktivierte. Dass einzelne bis 1965 Linie fuhren und danach immer noch paar Jahre Atw. hatte sicher keiner geträumt...

*19er und 21er sind die einzigen, wo nix mehr existiert. Der 14er steht im Verkehrsmuseum DD, der 23er soll aus einem 57er Bw. werden. (Der Reichsgelenkzug von 1928 und der 1955er Großraumer sind unwiederbringbar, aber ja nur Unikate.)
21er muss man sich vorstellen: das Fahrwerk der 20er, auch das Laternendach, aber schon die Wagenkastenmaße und Fensterteilung des 22er. 21er entstanden 1913/14 u.21, und man übernahm beim 22er die Gestaltung, verpasste ihm ein verbessertes Fahrgestell und zog die Dachhauben "pullman-mäßig" vor. 21er nach GR (u.a. Richtungsbänder und Dachhauben) und 22a/b mit Richtungsbändern unterschieden sich optisch für Betriebsfremde NUR dadurch, dass bei 22ern der schwarze/blaue Streifen rund um den Wagen in einer Höhe laufen konnte, während bei den 21ern die Plattformbrüstung tiefer saß, der Streifen von re. zu li. Tür um die Fronten ergo auch tiefer saß als seitlich am Wagenkasten.
21er sind zwar bis 1965 gefahren; erhalten wurde vermutlich deshalb keiner, weil man sich evtl. dachte: wir haben einen 20er und kriegen mit Sicherheit einen 22er, wozu dann ein 21er? Machbar bei 51 St. (863 - 913 > geplant 1363 - 1413 > realisiert 1325 - 1375) wäre es sicher gewesen, aber verschmerzbar.
Jetzt kriegt der lego-Schrott 45 Jahre lang freie Nummern!! Zwischengenutzt waren ja nur die 1326 - 1335 von den 7 Berliner GR-ET57ER ex ZR, 2 Dresdner ET57ER und 1 Dresdner T2-61.

Optisch wirken die Fenster auf den 2 Fotos ungleich. Auch die Maße unserer Wagen und auch die Proporzionen der Fenster waren nicht bei allen Typen gleich. Gleich war nur das grundhafte Anordnungsschema.

2 erhalten, 1 fahrbereit. Hier fahren beide. Ist also nur der Berliner oder der "Cöpenicker" am Start? Letzteren gibt es ja auch als sehr schönes NAVEMO-Modell (Schweiz). Mal so sag...
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Re: Gefundene Straßenbahn

Beitrag von bim » 19.05.2011 00:15

Möckern-Peter hat geschrieben:Zugegebenermaßen hatte Berlin ja auch das größere Netz... mal anerkennend sag

2 erhalten, 1 fahrbereit. Hier fahren beide. Ist also nur der Berliner oder der "Cöpenicker" am Start? Letzteren gibt es ja auch als sehr schönes NAVEMO-Modell (Schweiz). Mal so sag...
Groß-Berlin wurde 1920 per Gesetz gebildet und im gleichen Jahr zig private oder gemeindeeigene Verkehrsunternehmen in städtischen Besitz übernommen. Zur Reduktion von konkurrierenden und parallelen Angeboten gründete man 1923 in wirtschaftlicher Notlage die Berliner Straßenbahn Betriebs GmbH, von der die BVG bei ihrer Gründung 1929 ein Netz von 634 km (89 Straßenbahnlinien) übernahm.

Die Berolina-Wagen sind beide funktionstüchtig, derzeit hat davon nur Cöpenick 10 eine gültige Zulassung.
Der war übrigens der allererste historische im Osten, den Köpnicker Straßenbahner vom Schrott retteten und 1969 unter dem Dach des DMV als fahrbereiten Museumswagen aufbauten. 2082 ist ebenfalls ein Köpenicker, diente lange Jahre auf dem Hof als Kranschlepper.
Außer den originalen Berolinas gibt es noch zwei Umbauwagen aus diesem Typ, die von der NAG in Oberschöneweide aus ausgedienten Berolinawagen neu aufgebaut wurden mit neuen, geschlossenen Plattformen, Fahrgestell, Radsätzen und Elektroausrüstung, eine echte Modernisierung. Sie wurden als Typ U3L bezeichnet:
Bild

Mit 3110 habe ich übrigens vor 20 Jahren meine Hochzeitsgesellschaft nach Schmöckwitz befördert, dabei ein Stück selbst gefahren, obwohl mein Strabschein damals schon abgelaufen war.
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Re: Gefundene Straßenbahn

Beitrag von Möckern-Peter » 19.05.2011 00:53

Also praktisch sind beide funktionsfähig, nur gemäß BRD-Bürokratismus nur einer...
Wie jetzt, Schein abgelaufen? > Hier musst im Vierteljahr einmal gefahren sein, sonst heißt ers Lehrfahrer, und nach ü1 Jahr Fahrlehrer.
Was machst'n da jetzt, ohne deinen Schein?
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