Die SRS - beispielhaft für die Inkompetenz hierzulande

Straßenbahnbetriebe in Deutschland
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Sithis
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Die SRS - beispielhaft für die Inkompetenz hierzulande

Beitrag von Sithis »

Die SRS - aka Schöneiche-Rüdersdorfer Straßenbahn - ist ein recht beispielhafter Betrieb für die Inkompetenz, die hierzulande ja leider eher die Regel als die Ausnahme zu sein scheint, was die Führung von Straßenbahnbetrieben angeht.

Man komme mir jetzt bitte nicht mit den üblichen Wurstargumenten, die ich bislang schon x-mal gehört habe und die dadurch nicht wahrer werden...
Sowas wie "die haben Ahnung von dem, was sie tun" "aber das sind Fachleute" und "du redest alles nur mies"(ich muß da nicht reden, es ist faktisch meistens so).

Meine Theorie ist, daß es mit einem gewissen ach so toll Diplomierten an der Spitze zusammenhängen muß...
Jener Herr ist übrigens auch im Vorstand eines in Brandenburg tätigen Eisenbahn-Unternehmens, welches einen sehr schlechten Ruf hat. U.A. schlecht gewartete Züge, Fehlbestellungen für Betrieb nach Polen, und die Tf werden wohl von Captrain gestellt, nach Kununu ein Unternehmen, welches seine Tf ausleiht und sehr schlecht zahlt. Nennt man auch Ausbeutung...
Schon komisch, wie man auf zwei Hochzeiten tanzen kann, wie man so sagt, und den Laden gebacken kriegt. Na ja, offenbar nicht so sehr!
Geld sparen kann er ja sicher...aber auf Kosten der Qualität. Schön, was man alles so mit seinem Diplom-Studium lernt...

Ich weiß nun nicht, wie lange diese Koryphäe an der Spitze ist, aber anscheinend lange genug, um diese Betriebe abzuwirtschaften.
Aber gut, es ist ja ein "Fachmann", also muß das alles so seine Richtigkeit haben...nicht wahr? :mrgreen:

Ich will nun nicht ungerecht sein und alles der SRS ankreiden, aber die letzten Jahrzehnte scheint ja immer mehr der Wurm drin zu sein.

Einige Dinge wurden hier ja schon mal diskutiert...ich fasse einiges nochmal zusammen.

Beschaffung Fuhrpark:

Nun sehe ich es ja gerne ein, daß die KT4D anfang der 90er die einzige Option waren und den Betrieb gerettet haben. Kein Ding.
Früher war ich etwas anderer Meinung, aber ich lerne ja gerne dazu. Und keine Sorge, ein Stück weiter unten breche ich noch eine Lanze für den KT4D.

Trotzdem war es schon kurios, daß man wiederum z.B. Bochumer GT6 ablehnte, da zu alt. Als Übergang hätten die es doch sicher getan, wo man doch ZR möchte?

Als man dann die "Heidelbeeren" beschaffte, sind die ja zu dem Zeitpunkte auch nicht unbedingt jünger geworden...

Nun war es sicherlich sinnvoll, sich Cottbusser KTNF6 zu sichern. Daß ein Wagen nun jahrelang in Ungarn war, ist denen ja nicht mal anzukreiden.
Fragwürdig ist es dagegen, daß wiederum ein Wagen nach Cottbus ausgeliehen wurde und man jetzt - tatam - offenbar Fahrzeugmangel hat.

Letzte Woche gab es einen 40-Minutentakt...
Es war offenbar sogar so schlimm, daß der Tw 73 einspringen mußte, zwar nur kurz, aber trotzdem. Erinnert ja dezent an Woltersdorf vor einer Weile, wo wegen der schlecht gewarteten Gothas auch auf einmal historische Fahrzeuge aushelfen mußten.
Das kann ja nur noch heiter werden...

Dann zu den Artic-Fahrzeugen. Die Modernisierung des Betriebes klingt ja erstmal schön und gut, aber dann ein drittes Fahrzeug neu(!) kaufen?
Offenbar hat man da "Connections", daß so eine Sache gestattet wurde. Andere Betriebe in Brandenburg mußten sich erst an eine Sammelbestellung hängen. Für diesen abgehalfterten Mini-Betrieb muß es nicht gleich "Perlen vor die Säue" sein. Da sollte man eher Deutschlands altes Meterspur-Material abtrampeln können, wie es sich geziemt :mrgreen: . Mein Favorit wäre es ja gewesen, hätte man Brandenburg an der Havel eingestellt und die SRS mit den klapprigen KTNF6 von dort und den MGT6D versorgt. Da hätte man Niederflurigkeit und ZR alles gleich in einer Hand gehabt. Hätte da ja noch für die nächsten 30 Jahre gereicht 8) .
Und wenn schon neu, wieso nicht gleich als ZR?
Da Skoda zwischenzeitlich ja Transtech übernommen hat, wäre das doch sicher machbar gewesen, und man liefert ja nun auch ZR-Fahrzeuge an andere Betriebe?

Die Mülheimer M-Wagen - ich halte sie für einen Fehlkauf. Man stellte ja - na sowas - fest, daß die Wagen nicht im besten Zustand waren und bei einem der Motor gemacht werden mußte, als sie "neu" waren.
Und das alles für diese komischen Verstärkerfahrten?
Ich sehe diese Verstärker, die ja zwingend ZR sein müssen wegen dem stumpfen Wenden, als fragwürdig an. Alle Videos, die ich bislang davon sah, zeigen meistens gähnend leere Bahnen.
Also: Wozu?

Qualifikation Personal:

Auch hier frage ich mich, welche Maßstäbe man an den Tag legt. Offenbar keine zu hohen. Daß kürzlich zwei ZR zusammenstießen, muß irgendeine Ursache haben.
Diesmal war es ja kein Unfall, der durch die Schuld eines Dritten entstand.

Bei anderen Unfällen in der Vergangenheit kann man ja auch spekulieren, inwieweit da die Parteien schuld waren.

Ich erinnere mich an einen Besuch vor etlichen Jahren, wo ein Abschnitt baustellenbedingt eingleisig war. Die Weiche war anscheinend nicht richtig gestellt. Der Fahrer ballerte(man kann es nicht anders nennen) mit dem GT6 auf die falsche Seite. Hielt an, fuhr blindlings rückwärts, stieg aus, stellte die Weiche und fuhr dann in die richtige Richtung.
Ich habe so meine Zweifel, daß das alles vorschriftengemäß war...


Umgang mit historischem Material:

Die Debatte über den Tw3 hatten wir ja bereits 2013 geführt. Ich persönlich bleibe bei meinen Standpunkten.
Daß nach meinem Wissensstand 11 Jahre später ja immer noch nichts von dem Fahrzeug zu hören ist, ist schon seltsam!
Wo ist denn nun der toll aufgearbeitete Wagen, den man versprach? In Luft aufgelöst wird er sich ja hoffentlich nicht haben.

Nun zu den KT4D. Zwischenzeitlich entschied man sich ja wohl dazu, immerhin den Tw22 aufzuarbeiten. Der Rest ging den Weg des alten Eisens.
Natürlich geht es wieder einher mit dem üblichen Spendengebettel.
Nein, ganz ehrlich - 90 % der Vereine in Deutschland sollten keinen Cent sehen, selbst wenn Spenden steuerlich absetzbar sind.
Ich halte es für Verschwendung.
Der Wagen vergammelte jahrelang draußen, was ja offenbar dort üblich zu sein scheint. Jetzt arbeitet man wieder daran, eine HU hat er bislang noch nicht, aber wahrscheinlich strebt man es an. Stellt sich nur die Frage, was man damit dann machen möchte.
Für die paar Veranstaltungen alle Jubeljahre? Oder als Notreserve?
Auch wenn es an sich gut ist, einen KT4D zu erhalten, aber man macht sich wieder unnötig mehr Arbeit.

Ich finde es ansonsten auch verwerflich, daß man sich von sämtlichen DDR-Zweiachsern getrennt hat. Diese fahren nun in der Türkei.
Mal ehrlich, einen Wagen hätte man ja aufheben können. So ein einzelner Zweiachser frißt ja kein Brot.

Einen GT6 wird man wahrscheinlich nicht historisch erhalten. Man argumentiere mir jetzt bitte nicht mit sowas wie "die kamen eh erst spät und sind Gebrauchtkäufe". Das trifft bekanntlich auf fast alle Wagen der letzten Jahrzehnte zu.
Mit immerhin jetzt 25 Jahren(wenn auch in den letzten Jahren meistens nur Verstärker) haben sie dann einsatzmäßig sogar die KT4D getoppt. Auch wenn nach dem letzten Unfall wohl das Kapitel damit ein endgültiges Ende gefunden hat, aber trotzdem. Man kann es wohl kaum leugnen, daß sie Betrieb auch geprägt haben.

Und zum Schluß wohl eine immerhin gute Neuigkeit:

Wie man vernahm, soll nach jahrzehntelangem Hin und Her die Endstation wohl doch endlich auf die Seite mit dem Ausgang der S-Bahn verlegt werden.
Glaubt man den Quellen, so war irgendein Berliner Amt daran schuld, welches auf Kraft Parkplätze erhalten wollte. Wer die Stelle kennt, weiß, daß es eine verschwindend geringe Zahl ist.
So wird ja hoffentlich in absehbarer Zeit diese recht gefährliche Umsteigesituation endlich der Vergangenheit angehören.

Trotzdem: Mein Fazit zu dem Betrieb bleibt dennoch eher negativ.
Zynismus ist der geglückte Versuch, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist. - Jean Genet

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