Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

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Sithis
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Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Sithis »

Wie aktuelle Nachrichten vermelden, wird der Gothawagen-Einsatz wohl 2023 enden.
https://www.pressreader.com/germany/mae ... 7949027125

Auch zu vermelden:
https://www.busundbahn.de/nachrichten/u ... ieben.html
30 % Niederfluranteil? Was für ein Witz!

Das ist natürlich eine Mitteilung, die erstmal verkraftet werden muß. Woltersdorf galt bislang als eine der letzten Bastionen für die klassischen Fahrzeuge.
Hat man doch erst vor einigen Jahren den aufwendig restaurierten Wagen 33 in Betrieb genommen.

Ich finde diese Entscheidung ärgerlich und nicht nachvollziehbar. Die Gothawagen haben für Hochflurwagen recht niedrige Einstiege. Barrierefreiheit war bislang doch nie ein Thema für den Betrieb. Jetzt auf einmal soll sich das ändern. Und natürlich soll das alles wieder von öffentlichen Geldern finanziert werden. Warum greift man nicht einfach auf andere Lösungen zurück? Z.B. erhöhte Bahnsteige oder den Umbau von den sowieso nicht mehr benötigten Beiwagen auf Niederflur.

Für mich war der Betrieb nicht nur als Straßenbahn gerade wegen der Wagen interessant, sondern weil sie auch so gut in diese Gegend passen.
Und sicher auch für den einen oder anderen nicht so sehr an Straßenbahnen interessierten Besucher ein Grund, dort mal vorbeizuschauen.
Ähnlich wie die Kirnitzschtalbahn oder Naumburg.

Die Übernahme des Betriebes durch die SRS-Führung Anfang 2020 kann man wohl als den Anfang vom Ende für diese Tradition deuten. :evil:
Schade!
Zynismus ist der geglückte Versuch, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist. - Jean Genet

Tobias Walter
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Tobias Walter »

So weit ich weiß, wurde ledeglich die Geschäftsführung an die SRS betraut, es kam zu keiner Betriebszusammenlegung.
"Mit dem Wissen von heute, sag ich dir nur eins: 'Scheiß' auf Regeln und lebe dein Leben."

Die Worte einer 93-jährige Patientin zu mir... :shock:

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Sithis
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Sithis »

Ändert nur nichts daran, daß man jetzt dort also auf Niederflur umstellen möchte. Leider meint nun irgendein neuer Betriebsleiter, sich mit der Modernisierung profilieren zu müssen.
Mal ehrlich: Diese Umstellung ist unnötig. Da könnte man das Netz auch gleich an das der BVG anbinden und mit den dort eingesetzten Niederflurbahnen verkehren. Das Resultat wäre das Gleiche.
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koneggS
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von koneggS »

Abwarten. Die Fahrzeuganforderungen sind sehr speziell. Wer weiß, ob dafür überhaupt sinnvolle Angebote eingehen. Und dort liegt vielleicht genau der Sinn der Sache: Nachzuweisen, dass es keine geeigneten Niederflurwagen für diesen Betrieb gibt. Auch wenn es vielleicht aus Polen oder Tschechien dennoch durchaus ein Angebot geben könnte. Denn geltendes Recht bezüglich der Barrierefreiheit gilt, Sinnhaftigkeit hin oder her, auch in Woltersdorf. Anders als z.B. im Kirnitzschtal ist die Linie 87 vollwertiger Bestandteil des ÖPNV, keine Spaßbahn zum Extratarif und paralleler Buslinie.

Abgesehen davon, wird man bei der beabsichtigten Menge nicht komplett auf die Gothawagen verzichten können. Gerade die "jüngeren" Triebwagen 31 und 33 sind sicherlich heiße Kandidaten für einen Weiterbetrieb.

Ansonsten habe ich vor Ort durchaus den Eindruck, dass der Betrieb seit Übernahme der Betriebsführung durch die SRS schmuddeliger geworden ist. Nicht unzumutbar schlimm, aber vor 5 Jahren + X wirkte alles extrem gepflegt. Das ist jetzt nicht mehr so. Der Reinigungszustand der Fahrzeuge ist nicht mehr so gut, Haltestellen und Gleise verkrauten, Fahrkartenautomaten und Wartehallen sind beschmiert, so wie man es eben auch von der SRS kennt.

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Sithis
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Sithis »

koneggS hat geschrieben: 06.10.2021 13:10 Abwarten. Die Fahrzeuganforderungen sind sehr speziell. Wer weiß, ob dafür überhaupt sinnvolle Angebote eingehen. Und dort liegt vielleicht genau der Sinn der Sache: Nachzuweisen, dass es keine geeigneten Niederflurwagen für diesen Betrieb gibt. Auch wenn es vielleicht aus Polen oder Tschechien dennoch durchaus ein Angebot geben könnte. Denn geltendes Recht bezüglich der Barrierefreiheit gilt, Sinnhaftigkeit hin oder her, auch in Woltersdorf.
Das wäre natürlich eine gute Sache! Wenn man nichts schaffen kann, dann bleibt eben alles beim alten.

Geltendes Recht - für mich (auch wenn ich kein DnD-Rollenspieler bin) sind EU und brD das Sinnbild eines rechtschaffen bösen Systems.
Für mich ist der Götze der Barrierefreiheit ungefähr der gleiche Schmu wie die RGW-Eigenverpflichtung der DDR, keine Straßenbahnen zu bauen.
Ich streite nicht den generellen Sinn von Barrierefreiheit ab - aber man kann es nicht auf Teufel komm raus erzwingen.
Anders als z.B. im Kirnitzschtal ist die Linie 87 vollwertiger Bestandteil des ÖPNV, keine Spaßbahn zum Extratarif und paralleler Buslinie.
Prinzipiell hast du ja recht. Es ist im Wesentlichen ein "normaler" Betrieb. Nur: Wenn man nun gewollt hätte, hätte man auch nach der Wende Tatsachen schaffen können. So ist doch gerade die alte Bahn ein Reisegrund für viele. Ich meine, ansonsten hat die Gegend ja nun doch nicht so viel zu bieten.
Sicher war die Situation gerade für Kleinbetriebe damals oft sehr kritisch. Wissen wir ja.
Aber ungefähr zu einem Zeitpunkt Niederflurwagen beschaffen wollen, wo manch anderer Betrieb schon ans Ausmustern der ersten Generation denkt(oder es gar getan hat), kann schon hinterfragt werden.
Abgesehen davon, wird man bei der beabsichtigten Menge nicht komplett auf die Gothawagen verzichten können. Gerade die "jüngeren" Triebwagen 31 und 33 sind sicherlich heiße Kandidaten für einen Weiterbetrieb.
Sicher - es wäre ja witzlos, den 33 aufwendig aufgearbeitet zu haben(vom Standmodell zum Linienwagen), nur damit er bald wieder doch raus muß.

Ich hoffe mal so oder so, daß die Wagen - sollte doch der GAU eintreten - Käufer finden. Egal ob in einem anderen Betrieb als Party-Bahn oder für einen Museumsbetrieb, oder als Gartenhütte. Ich könnte mir so einen Wagen selbst bei der BKB vorstellen, die ja formal auch eine Straßenbahn ist(auch wenns faktisch eine Eisenbahn ist).
Ansonsten habe ich vor Ort durchaus den Eindruck, dass der Betrieb seit Übernahme der Betriebsführung durch die SRS schmuddeliger geworden ist. Nicht unzumutbar schlimm, aber vor 5 Jahren + X wirkte alles extrem gepflegt. Das ist jetzt nicht mehr so. Der Reinigungszustand der Fahrzeuge ist nicht mehr so gut, Haltestellen und Gleise verkrauten, Fahrkartenautomaten und Wartehallen sind beschmiert, so wie man es eben auch von der SRS kennt.
Ich werde den Betrieb sicher mal wieder aufsuchen und mir selber ein Bild machen. Aber wahrscheinlich wird jetzt tatsächlich gespart.
Vandalismus gabs leider auch schon vorher, aber sicher wird es nun einfach am Herzblut mangeln. Ich würde das als Mitarbeiter dort nicht mehr mitmachen wollen, und wechseln, wenn die Möglichkeit dort wäre.
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Tobias Walter
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Tobias Walter »

Herzlich willkommen im realen Leben.

Die KTB ist Tariflich wie die Schmalspurbahnen im VVO ein Sonderverkehrsmittel, alle sind jedoch in die Erbringung von Nahverkehrsleistungen eingebunden. Die KTB als VVO-Linie "K".
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Sithis
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Sithis »

Auch die Naumburger Straßenbahn erkennt ja Fahrkarten aus Tarifverbünden an - insofern ist auch diese irgendwie in den "normalen" Nahverkehr eingebunden.
Zynismus ist der geglückte Versuch, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist. - Jean Genet

das Fauli
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von das Fauli »

Sithis hat geschrieben: 06.10.2021 15:41 Ich streite nicht den generellen Sinn von Barrierefreiheit ab - aber man kann es nicht auf Teufel komm raus erzwingen.
Wenn man Gehbehinderte nicht vom öffentlichen Leben ausschließen möchte - doch, dann muß man es erzwingen.
Sithis hat geschrieben: 06.10.2021 15:41 Aber ungefähr zu einem Zeitpunkt Niederflurwagen beschaffen wollen, wo manch anderer Betrieb schon ans Ausmustern der ersten Generation denkt(oder es gar getan hat), kann schon hinterfragt werden.
Siehst Du, und jeder Rollstuhlfahrer wird hinterfragen, warum bis jetzt noch keine Niederflurwagen im Einsatz sind. :P :wink:

Gruß

Fauli

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Sithis
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Sithis »

Nichts gegen Mobilitätseingeschränkte - aber die meisten Fahrgäste sind es halt nun mal nicht. Außerdem hat es ja nun für 30 Jahre nach der Wende auch nicht so die Rolle gespielt. Davor Jahrzehnte ebenso wenig. Alternativen wurden genannt, und das kann alles umfassen von Busbetrieb bis Niederflurbeiwagen.
Wenn es rein um Effizienz und geringe Kosten gäbe, wären Busse wohl die beste Lösung. Die reichen auch für die "Nur-Beförderung" aus. Sachlich gesehen spricht nichts für ein kleines Furznetz(kann man bei einer Linie überhaupt noch wirklich von "Netz" reden?), welches rein theoretisch auch schon vor Jahrzehnten eingestellt oder ins Berliner Netz(wie manch andere vorher eigenständige Betriebe) hätte eingebunden werden können.
Exotische Konstruktionen sind daher nichts weiter als Geldverschwendung.
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das Fauli
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von das Fauli »

Sithis hat geschrieben: 28.10.2021 22:24 Nichts gegen Mobilitätseingeschränkte - aber die meisten Fahrgäste sind es halt nun mal nicht. Außerdem hat es ja nun für 30 Jahre nach der Wende auch nicht so die Rolle gespielt. Davor Jahrzehnte ebenso wenig.
Da die Alten in der Gesellschaft immer mehr werden, werden automatisch auch die Mobilitätseingeschränkten mehr. Damit könnte sich das mit den "aber die meisten Fahrgäste sind es halt nun mal nicht" in Zukunft eventuell ändern.
Und auch wenn es bisher keine Rolle gespielt hat (oder das Geld für neue Fahrzeuge nicht verfügbar war), so spielt es eben inzwischen eine Rolle. Und Fahrgäste, die schon durch eine Behinderung oder ihre Gebrechlichkeit benachteiligt sind, jetzt noch zusätzlich zu benachteiligen, indem sie nicht die selbe Angebotsvielfalt an Transporten nutzten können wie Unversehrte, finde ich schon reichlich egoistisch. Zumal die meisten neuen Fahrzeuge heutzutage doch eh Niederflurfahrzeuge sind und deren Beschaffung damit ökonomischer sein sollte, als Uralt-Material am Leben zu erhalten oder neue Hochflurfahrzeuge zu bestellen. Zudem wäre es in meinen Augen vom Bahnbetrieb blöd, wenn er einen Teil seines Fahrgastpotenzials von vornherein bei der Beförderung ausschließt.
Sithis hat geschrieben: 28.10.2021 22:24 Alternativen wurden genannt, und das kann alles umfassen von Busbetrieb bis Niederflurbeiwagen.
Verstehe ich Dich richtig, daß Dir also eine Einstellung des Straßenbahnbetriebs und Umstellung auf Busbetrieb besser gefallen würde? Das paßt in meinen Augen aber nicht so richtig zum Straßenbahnfan. :P
Sithis hat geschrieben: 28.10.2021 22:24 Wenn es rein um Effizienz und geringe Kosten gäbe, wären Busse wohl die beste Lösung. Die reichen auch für die "Nur-Beförderung" aus.
Ich kenne die Woltersdorfer Bahn leider nicht, aber vielleicht müssen ja beim reinen Busbetrieb auch noch die Haltestellen umgebaut oder angepaßt werden? Das könnte die geringeren Fahrzeugkosten dann wieder kompensieren. Zumal ja die öffenliche Meinung immer mehr auch die ökologischen Auswirkungen beachtet haben möchte.

Gruß

Fauli

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Sithis
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Sithis »

Du tust ja gerade so, als ob es vor 25-30 Jahren, als Niederflur gerade das große Novum war, oder davor, noch keine Menschen gegeben hat, die irgendwie mobilitätseingeschränkt waren.
Glaubst du ernsthaft, diese Leute haben sich nicht zwischenzeitlich nach anderen Alternativen umgeschaut?
Die Bahn ist ein Angebot, und kein zwingend Verpflichtendes. Es gibt auch andere Verkehrsmittel, Autos, Fahrdienste usw.!
Zumal die meisten neuen Fahrzeuge heutzutage doch eh Niederflurfahrzeuge sind und deren Beschaffung damit ökonomischer sein sollte, als Uralt-Material am Leben zu erhalten oder neue Hochflurfahrzeuge zu bestellen. Zudem wäre es in meinen Augen vom Bahnbetrieb blöd, wenn er einen Teil seines Fahrgastpotenzials von vornherein bei der Beförderung ausschließt.
Oh Mann. Soviel Unkenntnis von der Lage. Der Betrieb hat bestimmte Ansprüche - da kann man halt eben nicht einfach Niederflur von der Stange kaufen.
Was z.B. Strausberg tat, die einfach zwei Berliner Niederflurwagen bekamen. Tja, nur geht das halt in Woltersdorf offenbar nicht.
Deshalb die Ausschreibung.

Außerdem weiß ich nicht, was einige immer von "Fahrgastpotenzial" reden, wenn Betriebe heutzutage sowieso reine Zuschußgeschäfte sind.
Der Betrieb liegt im Tarifbereich C von Berlin. Für die paar Leute, die nur innerhalb des Betriebes fahren, gibt es sehr billige Fahrscheine.
Die meisten werden wahrscheinlich ohnehin ein Ticket von der S-Bahn oder BVG haben. Wirtschaftlich sind Personen, die sowieso eine kostenlose Fahrberechtigung haben oder vergünstige Seniorentickets kaufen, ohnehin kaum bedeutsam. Ist wohl einfach mal ein Fakt.

Und der Erhalt von relativ simpler Technik dürfte kein Problem sein. Notfalls tut es halt eine Modernisierung wie bei den Remodelados in Lissabon.
Übrigens wurden die Wagen bereits in den 90ern teilmodernisiert. Soviel "uralte" Technik wird also teilweise gar nicht mehr drinstecken.
Verstehe ich Dich richtig, daß Dir also eine Einstellung des Straßenbahnbetriebs und Umstellung auf Busbetrieb besser gefallen würde? Das paßt in meinen Augen aber nicht so richtig zum Straßenbahnfan.
Ja, du verstehst mich richtig. Ich bin dann eher ein Straßenbahnfahrzeug-Fan(das Wort bezeichnet ja das Verkehrsmittel an sich, nicht alleine das Fahrzeug), und ohne Gothawagen ist der Betrieb für mich einfach uninteressant und gesichtslos.

Das Verkehrsmittel Straßenbahn ist nun mal nicht die einzige Variante, um Nahverkehr anzubieten. Warum sonst gab es wohl vielerorts Umstellungen?
Wo es sich nicht lohnte, Busbetrieb, wo die Fahrgastzahlen deutlich höher wurden, Umstellung auf U-Bahn.
Nein, ich bin beileibe niemand, der nun auf Teufel komm raus das Verkehrsmittel Straßenbahn als einzig sinnvolle Lösung auf das Podest stellen muß.
Solchen Unfug kann man gerne in Zeitschriften wie dem Straßenbahn-Magazin drucken, aber ich bin da realistischer.

Und ja, meiner Ansicht nach sind etliche Straßenbahnbetriebe heute durchaus sehr überholt wirkend. Die wurden zu Zeiten gebaut, wo das System noch relativ neu und innovativ war. Wo ganz andere Gegebenheiten vorhanden waren. Teilweise überdauerte man auch wegen zeitweiliger Knappheit von Kraftstoffen.
Tja, nur haben die sich eben oft geändert. Wenn man Wohngebiete, die zum Teil abgerissen wurden, zum Teil wegen Arbeitslosigkeit verkehrlich kaum mehr eine Bedeutung haben, mit einem Massentransportmittel bedient, dann kann man die Wirtschaftlichkeit durchaus in Frage stellen.
Betriebe wie Brandenburg an der Havel, Halberstadt und einige andere sowie auch verschiedene Streckenäste in manchen Betrieben haben heute halt einfach kaum mehr die Bedeutung wie früher.
Daran auf Dauer festzuhalten, ist Geldverschwendung.
Ich kenne die Woltersdorfer Bahn leider nicht, aber vielleicht müssen ja beim reinen Busbetrieb auch noch die Haltestellen umgebaut oder angepaßt werden? Das könnte die geringeren Fahrzeugkosten dann wieder kompensieren. Zumal ja die öffenliche Meinung immer mehr auch die ökologischen Auswirkungen beachtet haben möchte.
Du gibst doch selber zu, daß du die Lage vor Ort nicht kennst, andererseits urteilst du aber recht voreilig. Dann schau dir Bilder und/oder Videos an.
Wir reden von 5,6km Strecke, größtenteils eingleisig, bedient mit Zweiachsern, also kapazitätsmäßig sogar wohl noch unter dem, was ein Solobus bietet. Bushaltestellen anbieten wäre absolut einfach. Da müßte man nicht mal viel umstellen.

Ein Bus ist ökologisch genug. Wenn 30 Personen Fahrgäste sind, die nicht im Auto sitzen, wurde schon ordentlich gespart.
Abseits davon sollte man auch andere Verkehrsträger nicht verteufeln. Man muß sich damit abfinden, daß vielerorts ohne Auto heute nichts mehr geht - ob man es nun mag oder nicht. Und die Lebensrealität ist dann oftmals halt eine andere als die "Ökologie" - wenn ich die Wahl habe, ob ich mit dem Auto fahre und in 30 Minuten da bin, oder ob ich dreimal so lange mit der Bahn brauche, entscheide ich mich doch für erstere Variante.
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Manitou
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Manitou »

Ein Bus könnte an der Endstelle Woltersdorf Schleuse gar nicht wenden. Es sei denn, es entwickelt jemand einen Zweirichtungsbus.

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Sithis
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Sithis »

Wenn ich mir Google Maps anschaue, könnte man dort durchaus in den Seitenstraßen wenden. Man darf halt nur nicht direkt anfahren. Was die Straßenbahn ja auch nicht macht.

Abgesehen davon gibt es tatsächlich Zweirichtungs-Busse.
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Tobias Walter
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Tobias Walter »

:shock:
"Mit dem Wissen von heute, sag ich dir nur eins: 'Scheiß' auf Regeln und lebe dein Leben."

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Manitou
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Re: Ab 2023 Ende für Gothawagen in Woltersdorf

Beitrag von Manitou »

Die Seitenstraßen sind für Busse zu eng. Außerdem müßte man die Linie um ca. 200 m vor der bisherigen Endstelle enden lassen. Ein Verlängern über die Klapp-Brücke hinweg ist ebenfalls problematisch (Tragfähigkeit, Brücke hat nur eine Spur).
Ein ZR-Großraumwagen, der sich am Leipziger Versuchswagen ex. 001 (5050?) orientiert, wäre das betriebliche Ideal.

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